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/ 11.06.2013
Wolfgang Reinhard

Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart

München: C. H. Beck 1999; 631 S.; Ln., 98,- DM; ISBN 3-406-45310-4
Es sind mehrere gewichtige Prämissen, von denen aus Reinhard sein ambitioniertes Unterfangen, eine Geschichte der Staatsgewalt zu schreiben, in Angriff nimmt: Der Staat ist eine spezifisch europäische Erfindung; er ist "weder metaphysische Substanz noch natürlicher Organismus, sondern ein durch Machtprozesse menschlichen Handelns zustandegekommenes Gedankengebilde" (18). Da er keine "anthropologische Notwendigkeit" (15) darstellt, ist er ein ephemeres Gebilde, dessen allmähliches Verschwinden sich in der zunehmenden internationalen wie binnenstaatlichen Pluralisierung bereits ankündigt. Von den Prämissen her bestimmt sich die Methode: In den Blick genommen wird die Entwicklung von Staatlichkeit als gesamteuropäisches Phänomen, gesucht wird also nach einem gemeinsamen Grundmuster. Staatswerdung wird in ihrer Dynamik betrachtet, Verfassung nicht im Sinne institutionengeschichtlicher Statik gedeutet. Und es wird auf die Verwendung eines Idealtypus verzichtet, um die Bindung von Staatlichkeit an die politische Kultur angemessen abbilden zu können. Der Autor lädt somit zu einer Reise durch Raum und Zeit ein, deren Zielpunkt keinesfalls feststeht. Inhaltsübersicht: I. Monarchie und Staatsgewalt: 1. Grundlagen; 2. Varianten; 3. Formen und Symbole; 4. Diskurs und Theorie. II. Herrschaftsaufbau und Institutionenbildung: 1. Institutionskultur; 2. Zentralmacht; 3. Personal; 4. Lokalmacht. III. Partnerschaft und Widerstand: 1. Adelsherrschaft und Ständewesen; 2. Gemeinde und Republiken; 3. Kirche und Kirchen; 4. Recht und Justiz. IV. Machtmittel und Machtpolitik: 1. Ressourcen; 2. Gewalt; 3. Diplomatie; 4. Kulturpolitik. V. Modernität und Totalität: 1. Von der Monarchie zur Demokratie; 2. Vom Staat zur Nation; 3. Sozialer Staat und Totaler Staat. VI. Krise und Transformation: 1. Scheitern oder Transformation des Staates in der außereuropäischen Welt?; 2. Krise oder Transformation des Staates in Europa?
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.225.35.412.31 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Wolfgang Reinhard: Geschichte der Staatsgewalt. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10526-geschichte-der-staatsgewalt_12443, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12443 Rezension drucken
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