/ 17.06.2013
Barbara Blaha / Josef Weidenholzer (Hrsg.)
Gerechtigkeit. Beiträge zur Sozial-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik
Wien: Braumüller 2009 (Positionen 1); IX, 264 S.; kart., 25,90 €; ISBN 978-3-7003-1711-1Der Band ist aus dem Kongress „Momentum 2008“ hervorgegangen, der darauf abzielte, mit Interessierten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft im gesamten deutschen Sprachraum „in kritischer Auseinandersetzung Alternativkonzepte zur herrschenden [neoliberalen] Praxis“ zu diskutieren. „Momentum ist ein Versuch“, schreiben Blaha und Weidenholzer, „der Verwissenschaftlichung des Politischen die Politisierung des Akademischen entgegenzustellen“ (VII). Sie haben für diesen Band Beiträge zusammengestellt, in denen sowohl konkrete Maßnahmen zur Herstellung größerer sozialer Gerechtigkeit in den drei genannten Politikfeldern (mit dem Schwerpunkt Österreich) analysiert als auch allgemeine Perspektiven aus theoretischer Sicht erörtert werden. In diesem Sinne setzt sich beispielsweise Armin Puller mit globalisierungskritischen Strategien auseinander und kommt zu dem Schluss: „Eine Strategie des Aufbrechens neoliberaler Hegemonie muss die Notwendigkeit und den Mut zu politischen Konflikten verinnerlichen [...] und darf vor tiefgreifenden Veränderungen von Machtverhältnissen und neuen politischen Konfliktachsen nicht zurückschrecken.“ (12) Interessant sind auch die Beiträge zur Bildungspolitik. Der Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen ist das Thema von Ludwig Dvorak, der die Chancen und Hindernisse von Open-Access-Publikationen und damit die Möglichkeit, aus dem Geflecht konventioneller Reputationsspiralen auszubrechen, auslotet. Bildung von kapitalistischer Einflussnahme zu befreien, fordern Stefan Pühringer und Michaela Schmidt. Sie plädieren für ein neues Bildungsverständnis, das weniger auf die Befähigung für den Arbeitsmarkt abhebt, sondern als „Befähigung zur Kritikfähigkeit“ (100) begriffen wird. Nach dem Wert von Bildung fragt auch Kornelia Hauser und gibt – sehr zugespitzt – zu bedenken, dass die Exzellenzdiskussion und der „segregierende Charakter der Bildungspolitik nicht nur klassenspezifischen Interessenlagen entspringt“, sondern vielmehr ein „Resultat von implizit antidemokratischen Innerlichkeits- und Privatheitsstrukturen“ sei. „Demokratie“, so Hauser, „bleibe im deutschsprachigen Raum eine Regierungsform und bricht sich nicht als Lebensform bahn“ (113).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.4 | 2.262 | 2.263 | 4.45 | 2.65
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Barbara Blaha / Josef Weidenholzer (Hrsg.): Gerechtigkeit. Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14833-gerechtigkeit_37274, veröffentlicht am 20.05.2010.
Buch-Nr.: 37274
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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