/ 17.06.2013
William A. Schabas
Genozid im Völkerrecht. Aus dem Englischen von Holger Fliessbach
Hamburg: Hamburger Edition 2003; 792 S.; geb., 40,- €; ISBN 3-930908-88-3Schabas, Leiter des Irish Centre for Human Rights und Professor für Völkerrecht an der Universität Galway, legt mit diesem Buch eine ebenso umfassende wie aktuelle Darstellung der Geschichte, des Tatbestands und der Realisierungschancen des Genozidverbotes vor. Schabas zeigt sich dabei im Besonderen beeinflusst von der Erfahrung des Völkermords in Ruanda 1994, dessen Entwicklung und versuchte rechtliche Aufarbeitung er für verschiedene Institutionen begleitete und analysierte. Dadurch gewinnt die streckenweise als juristischer Kommentar zu lesende Auslegung der Menschenrechtskonvention von 1948 ihre besondere Eindringlichkeit: „Es steckt mehr Leidenschaft in diesem Buch, als auf den ersten Blick sichtbar wird." (12) Schabas sieht das ehemalige Jugoslawien und Ruanda als genau jene Fälle von Völkermord, die 1948 bei Verabschiedung der Konvention von den Verfassern und der dahinter stehenden Staatengemeinschaft als Anwendungsfälle in Betracht gezogen wurden. Vor diesem Hintergrund sieht er ein großes unausgeschöpftes Potenzial in der Konvention: „Das wissenschaftliche Schrifttum hat sich weit mehr auf die wahrgenommenen Unzulänglichkeiten der Konvention als auf eine Klärung des Inhalts der tatsächlichen Bestimmungen konzentriert." (702) In der Frage, ob das Potenzial der Konvention eher durch eine Erweiterung ihres Gegenstandsbereiches oder aber durch eine Stärkung der aus der Konvention erwachsenden Pflichten bei der Prävention und der Verhinderung von Völkermord zu finden sei, plädiert Schabas für die Beibehaltung der relativ engen Definition der Konvention, um andererseits die Verbindlichkeit der sich daraus ableitenden Pflichten zu erhöhen - bis hin zur militärischen Intervention.
Aus dem Inhalt:
1. Ursprünge des strafrechtlichen Genozidverbotes
2. Ausarbeitung der Konvention und spätere normative Entwicklungen
3. Die durch die Völkermordkonvention geschützten Gruppen
4. Der objektive Tatbestand (actus reus) des Völkermordes
5. Der subjektive Tatbestand (mens rea) des Völkermordes
6. „Sonstige" oder „andere" Handlungen des Völkermordes
7. Verteidigungen („defences") gegen den Vorwurf des Völkermordes
8. Strafrechtliche Verfolgung von Völkermord vor internationalen und nationalen Gerichten
9. Staatenverantwortlichkeit für Völkermord und die Rolle des Internationalen Gerichtshofs
10. Verhütung von Völkermord
11. Die Völkermordkonvention: vertragsrechtliche Fragen
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 4.1 | 2.25 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: William A. Schabas: Genozid im Völkerrecht. Hamburg: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14646-genozid-im-voelkerrecht_23311, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23311
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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