/ 22.06.2013
Vera Lasch / Walburga Freitag / Ute Sonntag (Hrsg.)
Gender, Health, and Cultures. Networking for a better Future for Women within an enlarged Europe
Kassel: kassel university press 2006; 239 S.; 24,- €; ISBN 978-3-89958-164-5Die Autorinnen analysieren den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Gesundheit in der EU und zeigen, dass sich die Mitgliedsländer nicht nur in Bezug auf ihre Gesundheitssysteme unterscheiden, sondern auch in ihrer Definition von Gesundheit, Krankheit und gesundheitsbedingten Problemen. Beides sei kulturell determiniert. So sei beispielsweise die Gesundheit von Frauen in Südosteuropa stärker durch die Gewalttätigkeit ihrer Väter, Ehemänner oder Lebenspartner gefährdet als in anderen Regionen Europas. Verena Kaselitz weist darauf hin, dass Gewalt gegen Frauen eher im Kontext einer patriarchalen und hierarchisch strukturierten Gesellschaft zu finden sei. Die Autorin sieht deshalb eine enge Verbindung zu soziologischen und politikwissenschaftlichen Fragestellungen. Sie stellt mangelndes Wissen im Gesundheitswesen fest und kritisiert, dass in der medizinischen Versorgung dieser Patientinnen eher Schmerz- und Beruhigungsmittel verschrieben würden, anstatt das Problem der Gewalt zu bekämpfen. Kaselitz fordert daher eine stärkere Sensibilisierung für dieses Thema. Zumal Studien belegten, dass für die Mehrheit der Frauen der Arzt im Fall eines Missbrauches immer noch der erste Ansprechpartner sei. Trotzdem würden die Betroffenen die Gewaltausübung nur auf Nachfrage zugeben. Ärzte seien mit der schwierigen Situation der häuslichen Gewalt emotional und professionell überfordert, so Kaselitz. Unter Bezugnahme auf die europäische Gesellschaft vertritt sie die Position, dass Gewalt gegen Frauen durch die Tradition militärischer Gewalt und eine sehr wettbewerbsorientierte Marktwirtschaft begünstigt wird. Auch Peggy Maguirè sieht, trotz der Eindämmung von Infektionskrankheiten und einer besseren medizinischen Betreuung bei der Geburt, in Bezug auf die gesundheitliche Versorgung von Frauen im europäischen Vergleich immer noch große Ungleichheiten. Sie gibt zu bedenken, dass die Gesundheit von Frauen nicht ausschließlich auf ihre reproduktiven Fähigkeiten hin verengt werden sollte. Der Band resultiert aus dem EU-Workshop gleichnamigen Titels vom Oktober 2004.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.27 | 2.61 | 2.64 | 2.263 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Vera Lasch / Walburga Freitag / Ute Sonntag (Hrsg.): Gender, Health, and Cultures. Kassel: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33543-gender-health-and-cultures_40140, veröffentlicht am 20.04.2011.
Buch-Nr.: 40140
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Politikwissenschaftlerin.
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