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/ 20.06.2013
Gangolf Hübinger

Gelehrte, Politik und Öffentlichkeit. Eine Intellektuellengeschichte

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2006; 255 S.; kart., 24,90 €; ISBN 978-3-525-36738-4
Wie veränderte sich in der „Achsenzeit“ um 1900 die Verhältnisbestimmung von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit? Diese Frage liegt hinter den meisten der in diesem Buch zusammengetragenen Aufsätze des Professors für Kulturgeschichte aus Frankfurt/Oder. Seinen Fixpunkt findet das Verhältnis der drei hinterfragten Mächte in den Ausführungen Hübingers zum Begriff des „Gelehrten-Intellektuellen“. Dieser Typus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wird in Aufsätzen zu Max Weber, Theodor Mommsen, Ernst Troeltsch und für die Zeit um 1848 zu Georg Gottfried Gervinus gewürdigt. Für historisch interessierte Politikwissenschaftler sind zwei der anderen Beiträge von besonderem Interesse. Der Aufsatz über die Politische Wissenschaft im Historismus lenkt das Augenmerk auf einen bislang wenig beleuchteten Teil der Fachgeschichte. Hübinger bietet einen Überblick über die Rolle der wissenschaftlichen Politik im 19. Jahrhundert. Er grenzt drei Epochen mit jeweils typischen Fragestellungen ab: die Beschäftigung mit den Auswirkungen der Revolutionen von 1789 und 1830 in der ersten Jahrhunderthälfte; die Staatswissenschaft der Zeit zwischen 1840 und 1871 als „Laboratorium der bürgerlichen Welt“ (im Anschluss an Pierangelo Schiera); Roschers staatswissenschaftlicher Historismus als Auslöser der Erneuerung des Fachs durch Otto Hintze, Georg Jellinek und Max Weber. Der Beitrag zu den intellektuellen Wegen von Rudolf Hilferding und Gustav Radbruch führt in die Geschichte der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik. An diesen beiden Theoretikern und Praktikern sozialdemokratischer Politik versucht Hübinger zu verdeutlichen, „wie intellektuelle Sinnproduzenten einerseits mit ihren wissenschaftlich untermauerten Wertmaßstäben soziale Wirklichkeit umgestalten und wie sie umgekehrt ihre ideellen Ansprüche an der Wirklichkeit korrigieren.“ (203) Den beiden Protagonisten wird hier eine wichtige Rolle bei der Transformation der SPD in eine republikanische Regierungspartei zugeschrieben.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.312.3335.35.2 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Gangolf Hübinger: Gelehrte, Politik und Öffentlichkeit. Göttingen: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25855-gelehrte-politik-und-oeffentlichkeit_30016, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30016 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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