/ 19.06.2013
Lars Bretthauer
Geistiges Eigentum im digitalen Zeitalter. Staatliche Regulierung und alltägliche Kämpfe in der Spielfilmindustrie
Münster: Westfälisches Dampfboot 2009; 230 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-731-7Der Autor untersucht die mit der Digitalisierung verbundene staatliche Re-Regulierung der Spielfilmindustrie seit 1998 in Deutschland. Neben dem Gesetzgebungsverfahren für eine Novelle des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft analysiert Bretthauer die zivilgesellschaftlichen Konflikte um private Eigentumsrechte auf digitale Spielfilme. Dabei rekurriert er auf marxistisch-materialistische Staatstheorien von Gramsci, Poulantzas und Jessop. So bietet der Autor sowohl einen Beitrag zur staatstheoretischen Debatte als auch zum Themenfeld Neue Medien. Bretthauer betont, dass die Normen des Privatrechts und des öffentlichen Rechts wichtige Referenzpunkte für die Formierung westlicher Staatlichkeit bedeuten. Jedoch gebe die bisherige liberaltheoretische Interpretation des Rechtsstaats ungenügend „Auskunft über die realpolitische Dynamik staatlicher Verhältnisse“ (40). Vielmehr müsse es um eine Analyse der Rechtspraxis gehen, deren kodifiziertes Fundament Bretthauer mit Anlehnung an Gramsci als „Mischung aus Konsens- und Zwangsverhältnissen“ (46) beschreibt. Am Beispiel der Filmförderungspolitik zeigt der Autor, „dass Staatlichkeit – wie von Bob Jessop angenommen – als ein komplexes hierarchisch angeordnetes Ensemble von institutionell vermittelten Strategien verstanden werden kann“ (146). Für die digitalen Distributions- und Konsumverhältnisse stellt der Autor fest, dass es neuer Überlegungen für eine adäquate Beschreibung bedarf. Denn Millionen von nicht-lizenzierten Filmkopierern etablierten im Internet teil-öffentliche Räume, mit denen sie nach wie vor die Bemühungen der Filmindustrie und des Gesetzgebers unterlaufen. Damit verweigern sie die Interpretation der Kopie als Diebstahl. Bretthauer wünscht sich abschließend eine Diskussion über mögliche genossenschaftliche Strukturen der Filmindustrie und zudem sollten „digitale Filmkopierpraktiken als positiver Ansatzpunkt öffentlicher Zugänglichmachung von Kulturproduktionen und nicht als zu denunzierendes ‚Verbrechertum‘ aufgewertet werden“ (210).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.343 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Lars Bretthauer: Geistiges Eigentum im digitalen Zeitalter. Münster: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21567-geistiges-eigentum-im-digitalen-zeitalter_34586, veröffentlicht am 08.04.2009.
Buch-Nr.: 34586
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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