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/ 22.06.2013
Matthias Bublitz

Gegliederter Universalismus. Politische Philosophie und ihre Tendenzen in der bundesdeutschen Parteienprogrammatik

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2010 (Aktuelle Probleme moderner Gesellschaften 4); 347 S.; 51,80 €; ISBN 978-3-631-61192-0
Diss. Vechta; Gutachter: P. Nitschke. – Es sei modern geworden, eine geschlossene gedankliche oder philosophische Programmatik der Parteien als „Ideologie“, „lästig“ oder „Klotz am Bein“ (17) abzutun. Stattdessen würden Sachzwänge und vermeintlicher Pragmatismus den politischen Diskurs beherrschen, so der Autor. Er möchte mit seinen Überlegungen hingegen dazu beitragen, wieder eine Brücke zwischen Politik und Philosophie zu bauen. Der Weg der Philosophie zur Politik könne dabei in einer pluralen Demokratie, so ist Bublitz überzeugt, nur über die Programmatik der Parteien erfolgen. Dazu bedürfe es eines gegliederten Universalismus, der das Partikulare einer jeden Partei mit Allgemeinem verbinden könne. Wenn also die einen von Sachzwängen redeten, die anderen hingegen beispielsweise von Gerechtigkeit, solle es dem gegliederten Universalismus gelingen, „Tendenzen (‚Spezialphilosophien‘)“ zu skizzieren und „in ein übergreifendes Schema, dem alle zustimmen können sollen“ (108) einzuordnen. Der Autor bestimmt sechs verschiedene Tendenzen, wie etwa eine realdynamische für den Liberalismus, eine korrektive für die Sozialdemokratie oder eine realstatische für den Strukturkonservatismus. Anhand dieser Tendenzen und ihrer Beziehungen wie Abgrenzung, Distanzierung oder auch Bündelung analysiert der Autor die Parteiprogramme von der CDU bis zu den Grünen. Damit will er zu einer „Wiederkehr des Grundsätzlichen [beitragen], ohne in die Unversöhnlichkeit traditioneller ideologischer Grabenkämpfe zu verfallen“ (156). Für das Beispiel der Wiesbadener Grundsätze der FDP stellt der Autor auch tatsächlich fest, dass 41 % der Textstellen einer realdynamischen Tendenz zuzuweisen seien. Doch knapp die Hälfte dieser Passagen sei wiederum mit korrektiven Tendenzen verbunden. So kommt er zu dem überraschenden Schluss, dass „das Programm eher in eine sozialliberale als in eine liberal-konservative Richtung“ (333) weise. Bublitz hält im seinem Fazit fest, dass „die Behauptung, ‚Ismen‘ wie z. B. der Liberalismus hätten ausgedient“ (339), nicht bestätigt werden könne, vielmehr seien sie nach wie vor analytisch nachweisbar.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3315.43 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Matthias Bublitz: Gegliederter Universalismus. Frankfurt a. M. u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32844-gegliederter-universalismus_39231, veröffentlicht am 03.11.2010. Buch-Nr.: 39231 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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