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/ 05.06.2013
Inka Haas

Gebärstreik. Frauen gegen den staatlich verordneten Muttermythos

Frankfurt a. M.: dipa-Verlag 1998 (Siegener Frauenforschungsreihe 3); 200 S.; brosch., 32,- DM; ISBN 3-7638-0378-5
Noch immer sehen sich Frauen mit der normativen gesellschaftlichen Vorgabe konfrontiert, daß Kinderkriegen und Mutterschaft zu einem "natürlichen" und sinnerfüllten Leben als Frau dazugehören. Frauen, die sich freiwillig gegen Kinder entscheiden, werden als "kühle Karriereweiber" betrachtet, denen entscheidende Emotionen wie "Mutterliebe" o. ä. abgehen. Die Autorin zeigt ausgehend von der "ersten deutschen Frauenbewegung", Anfang des 19. Jahrhunderts, wie die Geschichte um weibliche Selbstbestimmung immer mit der Auseinandersetzung um Kinderwunsch und Gebärentscheidung verwoben gewesen ist. Schwerpunkte in der historischen Analyse bilden die Zeit der Weimarer Republik, die Mutterideologie im Nationalsozialismus und die Entstehung der "neuen Frauenbewegung" nach 1945. Der "Gebärstreik" steht dabei als Symbol für eine nie in breiter Form durchgesetzte Strategie gegen ein Frauenbild, das von traditionellen Rollen, mit der zentralen Bestimmung von Frauen als Mütter, geprägt ist. Inhaltsübersicht: Mutterschaft und Kinderwunsch als weibliche Identität: Historische Veränderung von Mutterschaft; Weibliche Sozialisation und Kinderwunsch. Frauenbewegung und Gebärstreik: Die erste deutsche Frauenbewegung; Die Diskussion um den Gebärstreik - seine bevölkerungspolitischen Hintergründe und Auswirkungen. Gebärzwang in der Weimarer Zeit - die Bevölkerungsfrage nach dem ersten Weltkrieg: Mütterlichkeit versus "neuer Sexualmoral"; Empfängnisverhütung; Die Diskussion um den Paragraph 218. Zur Mutterideologie im Nationalsozialismus: Nationalsozialistische Bevölkerungs- und Arbeitsmarktpolitik; "Der schönste Nam' im Erdenrund ist Mutter" - zum Mutterkult im Nationalsozialismus; Die Durchsetzung rassenhygienischer Vorstellungen und die damit verbundene Domestizierung weiblicher Gebärfähigkeit. Neue Frauenbewegung und Mutterschaft: Ein kurzer Blick zurück: Die Umbruchsituation nach 1945; Der Beginn der neuen Frauenbewegung und der erneute Kampf um den Paragraph 218; "Neue Mütterlichkeit" - Mutterschaft als weibliche Stärke; Die Beurteilung der Mutterschaft aus radikal-feministischer Sicht; Familienpolitik als Instrument gegen den Gebärstreik. Frauen und ihre Gebärwilligkeit heute: Anmerkungen zur gewollten Kinderlosigkeit im Osten; Schwangerschaftsunterbrechung, Sterilisation und Kontrazeption als private Strategien gegen den "Gebärzwang". Resumée oder: Was hat es mit den weiblichen Selbstbestimmungsmöglichkeiten auf sich?: Patriarchale Macht über weibliches Gebärverhalten; Weibliche Strategien.
Carsten Ungewitter (CU)
Rubrizierung: 2.362.3112.3122.313 Empfohlene Zitierweise: Carsten Ungewitter, Rezension zu: Inka Haas: Gebärstreik. Frankfurt a. M.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7427-gebaerstreik_9889, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9889 Rezension drucken
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