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/ 05.06.2013
Sabine Freitag

Friedrich Hecker. Biographie eines Republikaners

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1998 (Transatlantische Historische Studien 10); 548 S.; geb., 98,- DM; ISBN 3-515-07296-9
"Jeder kennt Hecker. Selbst denen, die nur geringe Kenntnisse von den revolutionären Ereignissen von 1848/49 besitzen, ist der Name dank eines Kultes geläufig, der begann, als Hecker schon nicht mehr auf deutschem Boden weilte. Hecker wurde zum folkloristischen Bestandteil der Erinnerung an die deutsche demokratische Bewegung, die vor 150 Jahren, kaum aufgeblüht, ihr rasches Ende fand." (12) Der Jurist, radikale Republikaner und Freischarenführer Hecker (1811-1881) hat Deutschland schon im Mai 1848 Richtung Schweiz verlassen müssen, nachdem er im April in Konstanz die Republik ausgerufen hatte, den deutschen Fürsten großspurig Amnestie anbot, wenn sie sich ins Privatleben zurückzögen. Hecker war Ideologe der republikanischen Idee, und insofern hat er sich in den Vereinigten Staaten, in die er 1849 übersiedelte, folgerichtig an dem Auf– und Ausbau der Republikanischen Partei beteiligt, kämpfte im Bürgerkrieg als Oberst und Regimentskommandeur auf seiten der Union, fungierte schließlich als "Apologet" dieser Partei und eifriger Wahlhelfer. 1873 reiste er nach Deutschland, kehrte allerdings enttäuscht von den politischen Entwicklungen in seiner alten Heimat wieder in die USA zurück. Freitags lesenswerte Biographie zeichnet ein detailliertes Hecker–Bild, das mit den "folkloristischen" Aspekten nur wenig gemein hat. Hecker entwickelte seinen Republik–Begriff u. a. aus der Antike und blieb beharrlich bei dieser Anschauung von griechischer Polis und römischer Republik. Im Gegensatz zu vielen seiner Mitstreiter (und auch Gegner innerhalb der revolutionären Bewegungen) von 1848 hat der Deutsch–Amerikaner Hecker allerdings dennoch politische Wirkung entfalten können, was seine Rolle in den Präsidentschaftswahlkämpfen deutlich macht. Und es war nur konsequent, daß man ihn, den Achtundvierziger, in den USA mit Denkmälern ehrte. Inhaltsübersicht: A. Hecker in Deutschland: I. Die frühen Jahre; II. Politische Konzepte; III. Radikalisierung und Revolution (1847-1848). B. Hecker in den Vereinigten Staaten: IV. Exil und neue Heimat (1848-1854); V. Anfänge der Republikanischen Partei in Illinois (1854-1860); VI. Hecker und der amerikanische Bürgerkrieg (1860-1865); VII. Rekonstruktion (1865-1870); VIII. Eine Land ohne Bill of Rights - Deutschland; IX. Lectures. X. Apologet der Republikanischen Partei (1876-1881); XI. Das Prinzip der Freiheit: Kosmopolitische Einheit gegen ethnische Nation.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.311 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Sabine Freitag: Friedrich Hecker. Stuttgart: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7895-friedrich-hecker_10469, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10469 Rezension drucken
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