/ 21.06.2013
Helke Stadtland (Hrsg.)
"Friede auf Erden" Religiöse Semantiken und Konzepte des Friedens im 20. Jahrhundert
Essen: Klartext 2009 (Frieden und Krieg 12); 306 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 978-3-8375-0141-4In der aktuellen Wahrnehmung wird Religion immer wieder mit Gewalt in Verbindung gesetzt und in diesem Zusammenhang auf die Rückkehr der Religion in die Politik verwiesen. „Die schnell aufgemachte Gleichung ‚Religion plus Politik gleich Gewalt’ ist so dominant,“ schreibt die Herausgeberin, „dass häufig übersehen wird, wie sehr neben religiös motivierter Gewalt auch Friedensdenken und -handeln im 20. Jahrhundert durch Religion geprägt waren.“ (9) Anhand empirischer Fallstudien wird die Beziehung zwischen Religion, Frieden und Gewalt während der Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkriegs sowie im Kalten Krieg untersucht. Im Mittelpunkt stehen religiöse Semantiken und Konzepte über Krieg und Frieden: Wie entwickelten sich religiöse Begriffe und Symbole, wie wurden sie in konkreten Situationen eingesetzt, welche Funktionen erfüllten sie und mit welchen Folgen war ihr Gebrauch verbunden? Aus pragmatischen Gründen beschränken sich die Autoren auf das Christentum in Europa. Hintergrund und Ziel des Bandes, der aus der Jahrestagung des Arbeitskreises Historische Friedensforschung im November 2006 an der Universität Bochum hervorgegangen ist, ist eine erste Annäherung an das Thema und die Herstellung eines Dialogs zwischen Geschichts- und Religionswissenschaft. Dabei sind die meisten Beiträge auch für politikwissenschaftliche Fragestellungen anschlussfähig. Zum Beispiel führt Holger Nehring aus, dass die deutsche und britische Anti-Atomwaffen-Protestbewegung der 60er- bis 80er-Jahre auf eine Mischung aus religiösen und moralischen Elementen zurückgriff und dadurch ganz unterschiedliche Gruppen angesprochen und in die Bewegung integriert werden konnten. Interessant ist auch der Beitrag von Janosch Steuwer und Jürgen Mittag, die die Friedensprogrammatik der sozialdemokratischen Bundespräsidenten und -kanzler untersuchen und zu der These gelangen, dass diese trotz programmatisch abweichender Konzepte aufgrund ihrer gemeinsamen Semantik um die Begriffe Menschenrechte, Verständigung und Versöhnung zur Etablierung eines friedenspolitischen Selbstverständnisses der SPD beitragen konnten.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 5.44 | 2.311 | 2.313 | 2.314 | 2.331 | 2.61 | 2.64 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Helke Stadtland (Hrsg.): "Friede auf Erden" Essen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30837-friede-auf-erden_36642, veröffentlicht am 16.07.2009.
Buch-Nr.: 36642
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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