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/ 07.06.2013
Johanna Falk

Freiheit als politisches Ziel. Grundmodelle liberalen Denkens bei Kant, Hayek und Böckenförde

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2012; 251 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-39590-6
Diss. Passau; Begutachtung: B. Zehnpfennig, H. Hansen, D. Göhler. – Weil der Begriff der Freiheit für „entscheidende politische Errungenschaften steht, muss er als Schlüsselbegriff des gegenwärtigen politischen Denkens umsichtig behandelt werden. Dazu soll die vorliegende Studie einen Beitrag leisten, indem sie die Vielschichtigkeit des Begriffs beleuchtet und seine Funktion in politischen Theorien verdeutlicht“ (10). Falk möchte dieses Verständnis exemplarisch anhand dreier in der liberalen Tradition stehender Konzepte (Kant, von Hayek und Böckenförde) herausarbeiten, dabei aber gerade nicht einen richtigen oder falschen Begriff von Freiheit finden. Sie fragt stattdessen danach, welchen Zweck der Begriff in politikphilosophischen Theorien erfüllt. Die Auswahl der Theoretiker ist klug getroffen, da Falk Repräsentanten für innerhalb des Liberalismus besonders wirkmächtig gewordene Strömungen (rechtsstaatlich, wirtschaftsliberal, sozialstaatlich) untersuchen möchte. In ihrer insgesamt überzeugenden Dissertation arbeitet die Autorin zunächst das Menschen- sowie Staatsbild und anschließend den Freiheitsbegriff und das mit ihm korrespondierende Konzept einer Politik der Freiheit analog für alle drei Denker heraus. Wenngleich die Analyse zeigt, dass innerhalb des liberalen Denkens ein äußerst breites Spektrum an Freiheitsverständnissen zu finden ist, einen alle drei Konzepte rechtsstaatliche Prinzipien (individuelle Selbstbestimmung, rechtliche Gleichheit, persönliche Unversehrtheit, Bildung, Privatbesitz, Gewaltenteilung, Wahlfreiheit). Falk stellt aber auch heraus, dass sich kein liberales Denken ausschließlich aus diesen Prinzipien speist, sondern auf weitere Überzeugungen zurückgreifen muss, die sehr wohl mit dem Liberalismus vereinbar sind, sich aber nicht aus ihm ableiten lassen. Dies führt zu sehr unterschiedlichen Konzepten: Kant sieht die Aufgabe des Menschen in einem an Sittlichkeit und Vernunft orientierten Leben verwirklicht; für Hayek muss alle Politik günstige Rahmenbedingungen für den wirtschaftlich-technologischen Fortschritt schaffen, um den Erhalt der Zivilisation sicherzustellen; Böckenförde hingegen macht sich für eine solidarische Umverteilung stark, um den praktischen Gebrauch der theoretisch vorhandenen Freiheitsrechte zu gewährleisten.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 5.435.33 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Johanna Falk: Freiheit als politisches Ziel. Frankfurt a. M./New York: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9232-freiheit-als-politisches-ziel_43195, veröffentlicht am 10.01.2013. Buch-Nr.: 43195 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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