/ 21.06.2013
Birge Krondorfer / Miriam Wischer / Andrea Strutzmann (Hrsg.)
Frauen und Politik. Nachrichten aus Demokratien
Wien: Promedia 2008; 244 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-85371-280-1Kronsdorfer verweist in ihrer Einleitung eindringlich darauf, dass Frauen beim historischen Prozess der Entstehung der Demokratie ausgeschlossen waren und dass Barrieren in der Politik sowie ökonomische Benachteiligungen Frauen auch heute noch von einer Partizipation fernhalten. „[D]ie Unsichtbarkeit der Frauen in den Ämtern der repräsentativen Demokratien noch unter der Bedingung ihrer formal-rechtlichen Gleichstellung indiziert einen Zusammenhang zwischen einer […] Arbeitsteilung der Geschlechter innerhalb der Gesellschaften in ihrer symbolischen und faktischen Begrenzung“ (13). In diese Richtung argumentiert auch Gerburg Treutsch-Dieter in ihren theoretischen Überlegungen. Die Demokratie sei schon in der Polis an Ausschlussverfahren gebunden gewesen. Nun, in ihrer Bindung an den Nationalstaat, sei sie „notwendig an den Krieg gebunden“ (29). Dies zeige sich nach außen in der jetzigen Terrorapokalyptik und nach innen, wo Frauen die Bedrohung der rationalen Vernunft der Staatsräson bedeuteten. Es sei das Motiv des inneren Feindes, das in solchen Exklusionsmustern wiederkehre. Auch Utta Isop stimmt in ihren Überlegungen in den allgemeinen Tenor der Beiträge ein, dass ein Fortschritt für Frauenrechte in der heutigen Ausgestaltung der Demokratie nicht erreicht werden könne. In formalen Demokratien fehle es an Partizipationsmöglichkeiten, sodass viele sozio-kulturelle Praktiken nicht wahrgenommen und keinen öffentlichen Platz finden würden. In der zapatistischen Bewegung sieht Isop hingegen ein progressives Element, das Entscheidungsfindungen nicht ausschließlich an mehrheitlichen und ökonomischen Kriterien orientiert. So ist der Autorin zwar bewusst, dass solidarische Ökonomien allein nicht automatisch zu stärkeren Frauenrechten führen, aber es „lässt sich dennoch danach fragen, ob Solidarische Ökonomien mit stark basisdemokratischen, anarchafeministischen, queeren Elementen nicht zumindest förderlicher […] sein könnten“ (216).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.41 | 5.42 | 2.27 | 2.23 | 2.4 | 2.22 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Birge Krondorfer / Miriam Wischer / Andrea Strutzmann (Hrsg.): Frauen und Politik. Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30302-frauen-und-politik_35957, veröffentlicht am 29.04.2009.
Buch-Nr.: 35957
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA