/ 20.06.2013
Jan Philipp Reemtsma
Folter im Rechtsstaat?
Hamburg: Hamburger Edition 2005; 153 S.; 12,- €; ISBN 3-936096-55-4Zwei Ereignisse haben die Frage, ob Folter ein in Ausnahmefällen legitimes Mittel sein kann, das hohe Rechtsgut menschlichen Lebens zu schützen, in jüngster Zeit ins Zentrum ethisch-politischer Debatten gerückt. Erstens die im Rahmen des amerikanischen „Kriegs gegen den Terrorismus” ans Licht gekommene Folterpraxis des US-Militärs auf Guantanamo Bay und in Abu Ghraib. Zweitens die Debatte über die Folterandrohung im Entführungsfall Jakob Metzler. Reemtsma greift diese aktuelle Debatte auf und geht in einer ideengeschichtlichen und diskursanalytischen Untersuchung den verschiedenen Positionen en détail nach. Eingehend setzt er sich mit der These des Heidelberger Rechtsphilosophen Winfried Brugger auseinander, der Staat habe in Ausnahmefällen nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, durch Folter den Rechtsanspruch seiner Bürger auf Leben durchzusetzen. Reemtsmas Analyse ist durchweg so sachlich und ausgewogen, dass der Leser bis zu den letzten Seiten gespannt bleibt, welche Partei der Autor letztlich selber ergreifen wird. Seine Position ist unzweideutig: „[D]ie Todesstrafe ist mit dem Rechtsstaat vereinbar [...]. Die Folter ist mit dem Rechtsstaat nicht vereinbar, weil durch sie das Individuum in seiner Fähigkeit, ein Rechtssubjekt zu sein, angegriffen, ja im Extremfall als autonomes Individuum zerbrochen und zerstört wird. Voraussetzung des Rechtsstaats ist die Rechtsfähigkeit seiner Bürger.” (125)
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.21 | 2.3 | 5.41 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Jan Philipp Reemtsma: Folter im Rechtsstaat? Hamburg: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24052-folter-im-rechtsstaat_27682, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27682
Rezension drucken
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA