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/ 21.06.2013
Friedrich Balke

Figuren der Souveränität

München: Wilhelm Fink Verlag 2009; 545 S.; Ln., 58,- €; ISBN 978-3-7705-4449-3
Philosoph. Habilitationsschrift Potsdam. – Demokratische Gesellschaften leben in der Überzeugung, dass die sich politische Souveränität heute nicht mehr – wie in Zeiten des Absolutismus – als unbegrenzte Macht in der Figur eines Herrschers verkörpert; an die Stelle des hierarchischen Modells ist mit dem Prinzip der Volkssouveränität das der demokratischen Selbstgesetzgebung getreten. Mit der konsequenten rechtsstaatlichen Bindung politischer Macht scheint Souveränität in einem Maße gezähmt zu sein, dass der Schrecken vor staatlicher Willkür – jedenfalls unter demokratischen Bedingungen – keine zentrale Bedeutung mehr hat. Gegenüber dieser verbreiteten Historisierung des Phänomens votiert der Autor für eine Perspektive, die von der „Gegenwart der Souveränität“ ausgeht (15) – und dies nicht allein, weil es – beispielsweise im Kontext der Terrorismusbekämpfung – durchaus zur kalkulierten Aussetzung von Rechtstaatlichkeit gekommen ist. Im Anschluss an Foucault beabsichtigt Balke eine diskursanalytische Souveränitätsgeschichte, die im großen Bogen klassische Werke der antiken politischen Philosophie und der frühneuzeitlichen Staatslehre bis hin zur politischen Ontologie Heideggers ebenso wie literarische Werke (Sophokles, Shakespeare, Montaigne, Racine, Kafka) heranzieht. Das interpretatorische Interesse gilt der Frage, wie und mit welchen Begriffen und Bildern in diesen Texten das Politische zur Geltung gebracht wird. Im Unterschied zur institutionell gebundenen Politik ist mit dem Politischen der Anspruch verbunden, einen exklusiven gesellschaftlichen Raum zu etablieren, der auf der Distinktion zwischen dem Sozialen und dem Anormalen beruht. In dieser theoretischen Perspektive ist die Geschichte der Souveränität die einer prinzipiellen Ambivalenz, die sich – wie der Autor ausführlich an Hobbes zeigt – selbst dort bemerkbar macht, wo die Souveränität scheinbar ausschließlich auf juridischem Weg begründet werden soll.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.15.35.465.41 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Friedrich Balke: Figuren der Souveränität München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28406-figuren-der-souveraenitaet_33462, veröffentlicht am 24.07.2009. Buch-Nr.: 33462 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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