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/ 22.06.2013
Maria Elisabeth Rotter

Faktor Bürokratie. Der Einfluss bürokratischer Politik auf deutsche und amerikanische Demokratieförderung in Polen und der Ukraine

Berlin: Lit 2011 (Gesellschaftspolitische Schriftenreihe der Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. 5); 386 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-643-11439-6
Politikwiss. Diss. Chemnitz; Begutachtung: B. Neuss, M. Kneuer. – Demokratisierungsprozesse in anderen Ländern zu fördern, gilt als eines der nobelsten Ziele der Außenpolitik westlicher Staaten. Unabhängig von der Frage, ob man hinter dem hehren Versprechen der Demokratieförderung einen Vorwand erkennt, mit dem sich ein imperialistischer Neoliberalismus neue Märkte erschließen will, oder ob man die Selbstbeschreibung der Außenpolitik westlicher Staaten für bare Münze nimmt, verantwortlich für die externe Demokratieförderung sind zu großen Teilen die Ministerialbürokratien. Rotter beschäftigt sich daher am Beispiel von Polen und der Ukraine mit dem „Einfluss bürokratischer Politik auf die Initiierung, Ausgestaltung und Umsetzung deutscher und amerikanischer Demokratieförderung [...] seit 1989“ (21). Die USA und die Bundesrepublik sind die zwei wichtigsten Geberstaaten demokratiefördernder Entwicklungshilfe, die Ukraine und Polen ihre beiden wichtigsten Empfänger in Ost- und Mitteleuropa. Die Arbeit basiert auf dem Ansatz bürokratischer Politik nach Allison, der das Zustandekommen außenpolitischer Entscheidungen aus der konfliktiven Interaktion unterschiedlicher bürokratischer Einheiten zu rekonstruieren versucht. Mithilfe einer komparativen Außenpolitikanalyse und der Auswertung qualitativer Experteninterviews identifiziert Rotter jene drei Variablen, die für eine Ausgestaltung der externen Demokratieförderung vonseiten der Bürokratie maßgeblich sind: „die Politisierung des Themas“, „der Expertise-Vorsprung der Bürokratie“ und „die Autonomie gegenüber politischen und parlamentarischen Akteuren“ (336). Damit ergeben sich für Deutschland und die USA sehr unterschiedliche Ergebnisse. Während die Demokratieförderung in den USA ein politisch brisantes Thema ist und die politisierte Ministerialbürokratie zu einem hohen Grad von der Regierung abhängig ist, ist die externe Demokratieförderung in Deutschland kaum umstritten und die rationale Ministerialbürokratie relativ autonom in ihrem Handeln. Für Deutschland wünscht sich Rotter daher eine Stärkung des Primats der Politik im Bereich der Demokratieförderung, den USA hingegen empfiehlt sie, „die Detailsteuerung durch Kongress und Weißes Haus auf ein angemessenes Maß“ (334) zu reduzieren.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.24.214.222.642.614.442.2 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Maria Elisabeth Rotter: Faktor Bürokratie. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34745-faktor-buerokratie_41764, veröffentlicht am 05.04.2012. Buch-Nr.: 41764 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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