/ 20.06.2013
Guido Thiemeyer / Hartmut Ullrich (Hrsg.)
Europäische Perspektiven der Demokratie. Historische Prämissen und aktuelle Wandlungsprozesse in der EU und ausgewählten Nationalstaaten
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2005; 233 S.; 56,50 €; ISBN 978-3-631-39755-8Der Band geht auf eine Tagung zurück, die vom Lehrstuhl für Europawissenschaften an der Universität Kassel in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung bereits im November 2000 in Kassel veranstaltet wurde. Dabei ging es darum, die Perspektiven der Demokratie nach den Revolutionen in Osteuropa vereinzelnd und mit unterschiedlicher Fragestellung zu untersuchen und eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Die Veranstalter legten besonderen Wert darauf, weder in die Falle der „teleologischen Betrachtungen“ Francis Fukuyamas noch Wolfgang Merkels zu tappen (8). Im ersten Teil des Tagungsbandes werden von Horst Dippel, Jörn Leonhard und Emanuel Richter die theoretischen Prämissen der Demokratie erklärt. In den anschließenden Aufsätzen werden die demokratietheoretischen Neuerungen in ausgewählten Staaten untersucht. Eberhard Sandschneider befasst sich mit Russland, Kai-Olaf Lang schreibt über Polen und Ungarn. Verdienstvoll ist, dass diese Tagung nicht einseitig den Osten Europas zum Schwerpunkt hatte, sondern auch die Entwicklungen der Demokratien im Westen und dabei insbesondere in der Europäischen Union untersucht wurden: Guido Thiemeyer setzt sich mit dem historischen Demokratiedefizit der EU auseinander und Martin Große Hüttmann sowie Michael Gehler beziehen sich auf die demokratischen Strukturen im Inneren der Union. Annette Jünnemann behandelt die Außenpolitik. Am Ende des Bandes steht die Untersuchung von Rainer J. Schweizer, der sich mit der direkten Demokratie in der Schweiz beschäftigt. Die beiden Herausgeber begründen die Aufnahme dieses Beitrags mit der jüngsten Entwicklung im europäischen Integrationsprozess, der mit dem Verfassungskonvent und dem Verfassungsvertrag in einem „derartigen Maße“ die demokratischen Elemente der EU gestärkt habe, „dass das angesprochene Demokratiedefizit als weitgehend abgebaut – wenn überhaupt noch vorhanden – zu betrachten ist.“ (9) Dies ist angesichts der neuesten Entwicklung jedoch erst noch zu beweisen.
Merle Vetterlein (MEV)
Dipl.-Politologin, Doktorandin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH).
Rubrizierung: 2.2 | 2.61 | 2.62 | 2.5 | 3.1 | 5.41 | 5.43
Empfohlene Zitierweise: Merle Vetterlein, Rezension zu: Guido Thiemeyer / Hartmut Ullrich (Hrsg.): Europäische Perspektiven der Demokratie. Frankfurt a. M. u. a.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25497-europaeische-perspektiven-der-demokratie_29571, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29571
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Dipl.-Politologin, Doktorandin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH).
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