/ 11.06.2013
Gerd G. Kopper (Hrsg.)
Europäische Öffentlichkeit: Entwicklung von Strukturen und Theorie
Berlin: Vistas 1997 (Informationskultur in Europa 1); 342 S.; brosch., 72,- DM; ISBN 3-89158-187-4Die auf wirtschaftlicher und politischer Ebene voranschreitende europäische Integration wirft die Frage nach einer wissenschaftlichen Analyse des Komplexes "Europäische Öffentlichkeit" auf. Ein neues interdisziplinäres Langzeitprojekt, das auf ein Netzwerk internationaler Experten aus Wissenschaft und Praxis zurückgreift, will alle Facetten dieses sich in Theorie und Praxis erst entwickelnden Begriffes aus gesamteuropäischer Perspektive erforschen. Der Band liefert dazu einen Einstieg mit ersten Bestandsaufnahmen in Form von Beiträgen zu Stand und Entwicklung von Strukturen wie Theorie der Massenmedien in wichtigen europäischen Staaten und den USA.
In den gebotenen Kurzeinführungen zu den behandelten Ländern kommt einerseits zum Ausdruck, wie heterogen sowohl die medialen (besonders aufschlußreich: Machill) als auch die medienwissenschaftlichen Kulturen und Strukturen innerhalb Europas noch sind – wie weit also der Weg hin zur "Europäischen Öffentlichkeit" bleibt. Andererseits zeigen sich aber auch ähnliche Tendenzen: Deregulierung führt zu einem "Niedergang der Tagespresse" (Miège [33]) zugunsten des (privaten) Fernsehens; harter Wettbewerb um die Werbeeinnahmen führt zur Kommerzialisierung von Angeboten (Weibull [55]) sowie zur wirtschaftlichen Konzentration. In diesem Sinne weisen die USA den Weg (Picard, Venturelli). Dies finden die Autoren überwiegend ebenso bedenklich wie den vielfach konstatierten geringen Einfluß der Medienwissenschaften auf diese Trends.
Inhalt: Einführung: Gerd G. Kopper: Europäische Öffentlichkeit – Ansätze für ein internationales Langzeitprojekt (9-16). Entwicklung von Strukturen und Theorie: Mauro Wolf: Mediensystem und Medienforschung in Italien (19-32); Bernhard Miège: Zur Entwicklung der Medienlandschaft Frankreichs – und ihrer Spiegelung in den französischen Kommunikationswissenschaften (33-53); Lennart Weibull: Perspektivenwechsel. Medienstrukturentwicklung in Schweden von 1985 bis 1995 (55-78); Peter Golding: Sind Journalisten geboren oder gemacht? Die widersprüchliche Geschichte von Lehre und Strukturentwicklung im Mediensektor Großbritanniens (79-96); Gerd Brunner: Medienmarkt Mitteleuropa. Teil 1: Sicht aus dem Westen. Westeuropäische Medien auf Expansionskurs (97-101); Walery Pisarek: Medienmarkt Mitteleuropa. Teil 2: Sicht aus dem Osten. Zum Einfluß ausländischen Medienkapitals am Beispiel Polen (102-108); Robert G. Picard: Entwicklung der Kommunikations- und Medienstrukturen in den USA. Auswirkungen auf Entscheidungen in Europa (109-121); Shalini S. Venturelli: "Informationsgesellschaft" Europa (123-145). Fokus: Romy Fröhlich / Christina Holtz-Bacha: Journalistenausbildung in Europa (149-182); Marcel Machill: Mehrdimensionalität eines europäischen Journalismus-Labors. Medienindustrielle Entwicklung in Europa und Spektren transnationaler Journalismusforschung am Fallbeispiel des ersten europäischen Nachrichtenkanals Euronews (183-208); Andreas Weber: Silvio Berlusconi – Ein Porträtierter als Summe journalistischer Verfahren. Eine Untersuchung zu Strukturen der Informationsvermittlung in Europa (209-223); Angelo Agostini: Mauro Wolf. Zum Gedenken an den Lehrer, Forscher und Initiator (225-229). Forschungsservice: Wilbert Ubbens: Medienökonomie in modernen Industriestaaten. Eine Auswahlbibliographie (233-331).
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.22 | 3.4 | 2.61 | 2.62 | 2.64 | 2.263
Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Gerd G. Kopper (Hrsg.): Europäische Öffentlichkeit: Entwicklung von Strukturen und Theorie Berlin: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9309-europaeische-oeffentlichkeit-entwicklung-von-strukturen-und-theorie_13023, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13023
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M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
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