/ 18.06.2013
Eva Kreisky / Sabine Lang / Birgit Sauer (Hrsg.)
EU. Geschlecht. Staat.
Wien: WUV-Universitätsverlag 2001; 288 S.; brosch., 24,- €; ISBN 3-85114-658-1Institutionen und Policies der EU bieten unter dem Gesichtspunkt einer geschlechtergerechten Partizipation und Repräsentation ein ambivalentes Bild. Einerseits erfüllt die EU - vergegenwärtigt man sich die Zusammensetzung von Gremien und Entscheidungsprozessen - das Bild eines "Männerclubs", andererseits beweisen etliche Aktionsprogramme der Europäischen Kommission, aber auch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes, eine bemerkenswerte Geschlechtersensibilität. Die Autoren und Autorinnen des Sammelbandes setzen sich anhand von drei Themenbereichen mit dem Zusammenhang von Institutionenbildung und Geschlecht im Kontext der EU-Polity auseinander. Den Beiträgen liegt die These zugrunde, "daß die frauenpolitischen Aktivitäten der EU einem Staatsprojekt adäquat waren und sind, das auf die Herausbildung eines androzentrischen Marktkonstrukts zielte und geschlechterdifferente Politiken als Konstruktionsmethoden nutzte" (8). Veröffentlicht sind die überarbeiteten Referate eines im Juni 1998 in Wien veranstalteten Workshops im Rahmen der Tagung "Europa zwischen Integration und Ausschluß. Die Europäisierung der Politik als Chance und Herausforderung". Die Tagung selbst war eine "Koproduktion" der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft mit der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft und der Schweizerischen Vereinigung für Politische Wissenschaft.
Inhaltsverzeichnis: Eva Kreisky / Sabine Lang / Birgit Sauer: Geschlecht und Staatlichkeit in der EU. Eine Einleitung (7-12). 1. Wege zu einer geschlechtersensiblen Staatstheorie: Marion Löffler: Herrschaft als zentrales Konzept zur Entschlüsselung der Geschlechtlichkeit des Staates (15-32); Katharina Pühl: Geschlechterverhältnisse und die Veränderung von Staatlichkeit in Europa. Ansätze eines theoretischen Perspektivenwechsels (33-54); Bob Jessop: Die geschlechtsspezifischen Selektivitäten des Staates (55-85); Roland Atzmüller: Postfordistische Staatlichkeit, Innovation und Geschlechterverhältnisse (87-102). 2. Geschlechtliche Fundierung des Rechts- und Sozialstaats in Europa: Gabriele Wilde: Geschlechterkonstruktionen. Individuum, Recht und politische Autonomie (105-120); Lea Sgier: Zwischen Normen und Strukturen. Metatheoretische Überlegungen zur Gleichstellungspolitik (121-136); Teresa Kulawik: Maskulinismus und die Entstehung des Wohlfahrtsstaates in Schweden und Deutschland (137-154); Peter Döge: Staatliche Technologieförderung als androzentrisches Politikprojekt. Forschungs- und Technologiepolitik der Bundesrepublik Deutschland und der EU im Vergleich (155-167). 3. Demokratie- und Geschlechterregime in der Europäischen Union: Susanne Schunter-Kleemann: Euro-Club und Reglement der Geschlechter (171-184); Gabriele Abels: Das "Geschlechterdemokratiedefizit" der EU. Politische Repräsentation und Geschlecht im europäischen Mehrebenensystem (185-202); Birgit Riegraf: Dimensionen und Debatten um die "Modernisierung des Staates". Plädoyer für eine Einmischung der Frauen- und Geschlechterforschung (203-214); Gregor Matjan: Je europäischer desto männlicher? Die Geschlechterdimension in der politischen Kultur des europäischen Mehrebenensystems (215-230); Sabine Berghahn: Auf Adlers Schwingen oder auf dem Rücken des Stiers? Zum Vorankommen von Frauen- und Gleichheitsrechten in der Europäischen Union (231-249); Petra Kodré: Marktvermittelte Gleichheit und nationale "male traditions". Europäische Staatlichkeit als Chance und Gefahr für die Durchsetzung der Gleichbehandlung der Geschlechter (251-263); Birgit Locher: "Identitätsexperiment" Europa. Nationalstaat, Geschlecht und supranationale Integration (265-284).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.27 | 2.26 | 3.5 | 2.61 | 2.36
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Eva Kreisky / Sabine Lang / Birgit Sauer (Hrsg.): EU. Geschlecht. Staat. Wien: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17044-eu-geschlecht-staat_19584, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19584
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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