/ 21.06.2013
Franz Fischler
Erinnerungen. Aufgezeichnet von Peter Pelinka
Wien: Ueberreuter 2006; 176 S.; Ln., 22,95 €; ISBN 978-3-8000-7133-3Während seiner sechzehnjährigen Tätigkeit als Spitzenpolitiker habe sich viel in seiner Einstellung gewandelt, erzählt Fischler. „Erstens ist die Autoritätsgläubigkeit geringer geworden, das gilt für schulische, religiöse, natürlich auch für politische Autoritäten. Zweitens hat sich der Stellenwert von Solidarität verändert.“ (170) Er plädiert deshalb für das politische Engagement von unabhängigen Bürgerorganisationen, „welche längerfristige und tiefer gehende Ideen und Initiativen entwickeln und für deren Verbreitung im Vorfeld der Politik sorgen können“ (172). Damit zieht er eine Erkenntnis aus seiner politischen Arbeit, die ihn von der Katholischen Hochschuljugend nach Landwirtschaftsstudium und Dissertation in das Amt des Kammerdirektors der Tiroler Landwirtschaftskammer führte. Als österreichischer Landwirtschaftsminister verhandelte Fischler dann über den Beitritt seines Landes in die EU mit und wurde schließlich EU-Kommissar. Anschaulich erzählt er von Problemen wie der BSE-Krise oder der Überfischung der Meere und erklärt, dass die gemeinsame Arbeit in der EU für alle Beteiligten Vorteile bietet, auch und gerade bei der Bewältigung von Krisen. Fischler zeigt sich als überzeugter Europäer. Allerdings hatte er in Österreich oft Schwierigkeiten, gerade den Bauern zu erklären, dass er nicht als „ihr“ Kommissar in Brüssel einseitig für ihre Belange eintritt, sondern immer für die gesamte EU zuständig war. „Ich habe mir dann gesagt: Okay, in Österreich jammern eben einige besonders gerne, ich muss mich daran gewöhnen und dennoch versuchen, auf europäischer Ebene etwas weiterzubringen.“ (95) Geärgert habe ihn nur, dass die Haider-Partei ihn gezielt zum Buhmann erkoren habe. Die Sanktionen der europäischen Staaten gegen die damals neue schwarz-blaue Regierung sieht Fischler aber als ungerechtfertigt an und betont, dass die Einzelstaaten vor allem eigenen innenpolitischen Motiven gefolgt seien – zwecks Eindämmung des Populismus in den eigenen Grenzen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 2.4 | 3.1
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Franz Fischler: Erinnerungen. Wien: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26748-erinnerungen_31203, veröffentlicht am 27.03.2008.
Buch-Nr.: 31203
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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