/ 11.06.2013
Mary Wollstonecraft
Ein Plädoyer für die Rechte der Frau. Aus dem Englischen neu übertragen von Irmgard Hölscher. Mit einem Nachwort von Barbara Sichtermann
Weimar: Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger 1999; 310 S.; geb., 58,- DM; ISBN 3-7400-1108-4Nach einer schweizerischen Ausgabe der siebziger Jahre und einer noch 1989 in der DDR erschienenen Übersetzung ist dies die dritte Übertragung des 1792 verfaßten englischen Klassikers in neuerer Zeit. Wollstonecraft, die Gattin William Godwins und Mutter der Frankensteinautorin gleichen Namens, steht in der Tradition der Aufklärung wie in der unmittelbaren Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution. Ihr Credo ist Gleichberechtigung von Mann und Frau, die durch die Reform der Erziehung der Mädchen erreicht werden soll und die in gleichen politischen Rechten gipfelt: "Laßt die Frau an den Rechten des Mannes teilhaben, dann wird sie auch nach seinen Tugenden streben. Denn nach ihrer Emanzipation hat sie nur zwei Möglichkeiten: Sie kann vollkommener werden - oder sie rechtfertigt die Autorität, die sie als schwaches Wesen an die Pflicht kettet." (269) Das Nachwort von Sichtermann (Gewinnt euch selbst! [271-282]) bietet leider eher Allgemeines zur Französischen Revolution und Aktualisierungen als Informationen zu Autorin und Werk. Es mag sein, daß Wollstonecrafts "radikales Programm für die Gleichstellung der Frauen [...] in ihrer Zeit einzigartig" (276) dasteht, aber ein Vergleich etwa mit den Überlegungen Condorcets oder von Olympe de Gouges wären gleichwohl angebracht gewesen. Das wenig erhellende Nachwort ändert aber nichts am Wert der Ausführungen von Wollstonecraft.
Inhalt: 1. Rechte und Pflichten des Menschen; 2. Erörterung des Geschlechtscharakters; 3. Fortsetzung des Themas; 4. Bemerkungen über einige Ursachen für die Erniedrigung der Frau; 5. Kritik an den Gelehrten, die Frauen zum Gegenstand des Mitleids oder gar der Verachtung gemacht haben; 6. Die Auswirkungen einer frühen Verknüpfung von Vorstellungen auf den Charakter; 7. Sittsamkeit, Keuschheit und Bescheidenheit als allgemeine und nicht nur als weibliche Tugenden; 8. Der gute Ruf, seine Bedeutung für das weibliche Geschlecht und seine schädlichen Auswirkungen auf die Sittlichkeit; 9. Über die verderblichen Folgen unnatürlicher Standesunterschiede; 10. Elternliebe; 11. Kindespflichten; 12. Über die öffentliche Erziehung; 13. Einige Beispiele für die Torheit, zu der die Unwissenheit der Frauen führt, sowie abschließende Überlegungen zu den moralischen Folgen einer Revolution der weiblichen Sitten.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Mary Wollstonecraft: Ein Plädoyer für die Rechte der Frau. Weimar: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10619-ein-plaedoyer-fuer-die-rechte-der-frau_12556, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12556
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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