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/ 19.06.2013
Friedbert Pflüger

Ein neuer Weltkrieg? Die islamistische Herausforderung des Westens

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2004; 303 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-421-05323-5
Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erkennt in der terroristischen Bedrohung durch Islamisten „einen Zentralkonflikt, nämlich den zwischen der westlichen Zivilisation und dem Islamismus (nicht dem Islam!)" (16). Er ruft den Westen dazu auf, dieser Gefahr gemeinsam zu begegnen. Die feste Allianz zwischen Amerika und Europa bildet dabei für ihn einen Grundpfeiler der gemeinsamen Politik ebenso wie ein strategisches Gesamtkonzept für den Mittleren Osten, dem er ein eigenes Kapitel widmet. Davor hat Pflüger jedoch eine Fundamentalkritik an dem gestellt, was er als europäische Schwäche begreift. So findet er manche Auswüchse der gegenwärtigen Massenkultur in Europa schlicht dekadent. Er warnt vor den Folgen der Überalterung der Gesellschaft und beklagt den Egoismus der Menschen. Die eigentliche Bedrohung ist für ihn aber der Islamismus. Ihn grenzt er scharf vom Islam als Religion ab und betont, dass muslimische Herrscher in der Geschichte auch schon einmal ihrer Zeit in puncto Toleranz weit voraus waren. Gleichzeitig beharrt er vehement darauf, dass die westliche Zivilisation ihre Werte auch gegenüber dem kulturellen und religiösen Einfluss des Islams behaupten muss. Es ist schade, dass er dabei nicht von dem unglücklichen Begriff der Leitkultur lassen will, auch wenn er jetzt von der „europäische[n] Leitkultur" spricht (96 ff.). Pflüger plädiert für Stärke und Wehrhaftigkeit im Kampf gegen Islamisten; er lehnt das Kopftuch mit guten Argumenten ab, holt aber gleichzeitig Instrumente wie die Kronzeugenregelung aus der Mottenkiste der Justiz. Auch den Einsatz der Bundeswehr im Inneren hält Pflüger für notwendig. Die grundgesetzlichen Einschränkungen verschweigt er jedoch. Den Irak-Krieg befürwortet Pflüger uneingeschränkt - und beruft sich dabei sogar ein ganzes Kapitel lang auf die angebliche Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen. Ab und zu geht mit ihm der Politiker durch: unregelmäßig eingestreute parteipolitische Polemiken und penetrante Selbstbeweihräucherung durchziehen das Buch. Gleichwohl liefert Pflüger einen anregenden Beitrag zu einer notwendigen Diskussion über vitale Sicherheitsfragen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.412.254.2 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Friedbert Pflüger: Ein neuer Weltkrieg? München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20852-ein-neuer-weltkrieg_24316, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24316 Rezension drucken
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