Skip to main content
/ 22.06.2013
Jörn Petrick

Egon Bahrs Kommunikationsoffensive. Die deutsch-deutschen Verhandlungen zum Transitabkommen, Verkehrsvertrag und Grundlagenvertrag 1970 bis 1973

Erlangen/Jena: Palm & Enke 2011 (Erlanger Studien zur Geschichte 9); 127 S.; 18,50 €; ISBN 978-3-7896-1100-1
Geschichtswiss. Magisterarbeit – Die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten war bis zur neuen Ostpolitik vor allem durch einen politisch scheinbar unüberwindbaren Gegensatz geprägt: die BRD verweigerte der DDR die völkerrechtliche Anerkennung als eigenständiger Staat, die DDR-Führung ihrerseits behaarte auf ihrer Souveränität. Erst mit der Kommunikationsoffensive unter dem Motto „Fürchtet euch nicht“ etablierte Egon Bahr eine Gesprächsbasis. In der Zeit zwischen 1970 und 1973 handelte Bahr erfolgreich mehrere Abkommen mit der DDR aus, die das feindliche und von Misstrauen behaftete Verhältnis zwischen den Staaten – zumindest auf vertraglicher Ebene – ein Stück weit normalisierten. Petrick untersucht dieses diplomatische Gelingen aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive. Er konstruiert die Elemente der Kommunikationsoffensive Bahrs mit Hilfe der analytischen Begriffe kommunikatives und strategisches Handeln, die er theoretisch und methodisch in die Ansätze von Lehmkuhl und Niedhart zur Erforschung der Kulturgeschichte der Diplomatie einbettet. Diese Verknüpfung ermöglicht vor allem „den Einfluss der ‚weichen‘ kulturellen Faktoren im Entscheidungsprozess der deutsch-deutschen Verhandlungen herauszuarbeiten“ (19). Im Einzelnen untersucht er die vier Elemente der Bahr’schen Diplomatie „Umarmung“, „Offenheit“, „Empathie“ und „Darstellung als schwach“ sowie deren Bedeutung für den Abschluss der Verträge. So kommt auch Petrick zu dem Ergebnis, dass die Kommunikationsoffensive von Bahr ein bisweilen einseitiger diplomatischer Akt war, dem Bahrs Verhandlungspartner nicht viel entgegenzusetzen hatte: „Bahr ließ sich auf [DDR-Staatssekretär Michael] Kohl ein und Kohl musste folgen“ (115). Die sanfte Variante der Dialogführung diente als Türöffner und setzte zugleich die DDR-Diplomatie schachmatt.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3132.314 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Jörn Petrick: Egon Bahrs Kommunikationsoffensive. Erlangen/Jena: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34148-egon-bahrs-kommunikationsoffensive_40961, veröffentlicht am 29.09.2011. Buch-Nr.: 40961 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA