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/ 17.06.2013
Alessandro Pinzani

Diskurs und Menschenrechte. Habermas' Theorie der Rechte im Vergleich

Hamburg: Verlag Dr. Kovac 2000 (Boethiana 43); VI, 182 S.; 69,95 €; ISBN 3-8300-0160-6
Philosoph. Diss. Tübingen; Gutachter: O. Höffe, R. Wimmer. - Schon die beiden Titel der Arbeit stehen in der Spannung zueinander, die das Buch prägt: Einerseits sollen Begründungen von Menschenrechten Thema sein und andererseits Habermas' Rechtstheorie, hauptsächlich gemäß "Faktizität und Geltung". Das sind zweierlei Gegenstände, weil Habermas sich ausdrücklich dem "modernen gesatzten Recht" widmet, was genuine Menschenrechte in ihrem Wesen ausschließt. Habermas kennt im Grunde "nur" Grundrechte. Nachdem Pinzani Habermas' Position entwickelt hat, schlägt er eine Brücke zwischen den beiden Themen, indem er "die Frage nach der Legitimation des Rechts unvermeidlich mit der Frage nach der Begründung der Menschenrechte" (159) verbindet. Freilich gleicht auch diese Brücke eher einem feindlichen Landungssteg, denn Habermas klammert auch die Frage der Legitimation des Rechts aus und fragt "lediglich" danach, wann Rechte legitim sind, worauf er eine demokratisch-prozedurale Antwort gibt. Als Kritik ist der Einwand bedenkenswert; nur darf bezweifelt werden, ob Habermas aus dieser Perspektive zu voller Stärke entwickelt wird: Womöglich gibt es Argumente dafür, auf eine Legitimation des Rechts überhaupt zu verzichten, selbst wenn man Habermas' funktionalistische Sichtweise (Recht als Mittel sozialer Integration) für unangemessen hält. Die Argumente gegen Habermas rühren auch daher, dass Pinzani in Höffe nicht bloß einen Gutachter gefunden hat: Das erste und letzte Zitat der Dissertation stammt von Höffe, und dazwischen bestimmt er zunächst die Perspektive des Vergleichs und der Kritik und wird am Ende mit seinem Ansatz der transzendentalen Tauschgerechtigkeit zum Thema und zur Lösung. Auf dem Weg dorthin werden noch Alexys diskurstheoretische Begründung der Menschenrechte sowie nicht-diskurstheoretische Begründungen besprochen. Pinzanis Darstellung von Habermas ist von engagierter Kritik geprägt, sowohl im Detail als auch im Ganzen, und die Kapitel zu Ansätzen der Menschenrechtsbegründung bieten einen kurzen Überblick auf dem Weg zu einer Rechtstheorie, die, weil sie beides zugleich: universal und normativ sein will, notwendig Menschenrechte zum Ausgangspunkt macht. Ob man sich bei so einem Ziel an den recht häufigen so genannten Tippfehlern stört (z. B. 18), ist wohl eine Frage des jeweiligen Lesers.
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 5.464.42 Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Alessandro Pinzani: Diskurs und Menschenrechte. Hamburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16805-diskurs-und-menschenrechte_19307, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19307 Rezension drucken
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