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/ 17.06.2013
Reinhard R. Doerries (Hrsg.)

Diplomaten und Agenten. Nachrichtendienste in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen

Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter 2001 (American Studies 88); 229 S.; geb., 36,81 €; ISBN 3-8253-1137-6
Erst seit wenigen Jahren befassen sich deutsche Historiker - im Unterschied zu einer breiteren Forschungstradition in den angelsächsischen Ländern - ernsthaft mit der Geschichte der Nachrichtendienste. Daher betritt dieser Band ein bislang fast unbestelltes Feld der Forschung. Grundannahme seiner Beiträge ist es, die nachrichtendienstlichen Aktivitäten Deutschlands und der USA in einem weiteren Sinne, nämlich als integralen Bestandteil der Diplomatie- und Militärgeschichte zu begreifen. Die in diesem Band zusammengetragenen Forschungsresultate erlauben damit neue Interpretationen der vom Ersten Weltkrieg bis heute im Zentrum der deutschen Außenpolitik stehenden Beziehungen zu den USA. Denn in Krieg und Frieden haben die Aktivitäten der Nachrichtendienste einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklungen der bilateralen, aber auch der internationalen Beziehungen ausgeübt. Vor allem die Bemühungen der Geheimdienste, in spezifischen historischen Phasen über die Informationsbeschaffung hinauszugehen und eigene politische Ziele zu verfolgen, stechen in den Untersuchungen ins Auge. Die Öffnung zahlreicher, bislang unzugänglicher Aktenbestände in deutschen und ausländischen Archiven hat maßgeblich dazu beigetragen, die häufig populärwissenschaftlichen Publikationen zu diesem Thema zunehmend durch derartige wissenschaftliche Untersuchungen zu ersetzen. So bietet dieser Band nicht nur für Historiker, Politikwissenschaftler und Juristen, sondern auch für historisch interessierte Leser neue Perspektiven auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen im 20. Jahrhundert. Inhalt: Reinhard R. Doerries: Die Tätigkeit deutscher Agenten in den USA während des Ersten Weltkrieges und ihr Einfluß auf die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Berlin (11-52); Michael Wala: Die Abteilung "T 3" und die Beziehungen der Reichswehr zur U. S. Army, 1922-1933 (53-84); Ulrich Schlie: Carl Marcus (1911-1989) und das Jahnke-Büro im Fadenkreuz anglo-amerikanischer Dienste im Zweiten Weltkrieg (85-111); Jürgen Heideking: Das Office of Strategic Services und der deutsche Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Wahrnehmungen, Reflexionen und Reaktionen (112-148); Jürgen Rohwer: "Signal Intelligence" in der Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg (149-160); Christof Mauch: Das Dritte Reich und die Politik des amerikanischen Geheimdienstes: Prognosen, Projekte und Operationen im Spannungsfeld von Dilettantismus und Mythenbildung (161-188); Wolfgang Krieger: Die Bedeutung der Nachrichtendienste für die internationalen Beziehungen im Kalten Krieg: Probleme und Möglichkeiten der Forschung in den USA (189-215).
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.314.214.222.64 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Reinhard R. Doerries (Hrsg.): Diplomaten und Agenten. Heidelberg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15342-diplomaten-und-agenten_17458, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17458 Rezension drucken
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