/ 11.06.2013
Roman Herzog
Die Zukunft der Erinnerung. Wegmarken deutscher Geschichte. Hrsg. von Michael Rutz
Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999; 217 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-421-05294-8"Am Tage seiner Wahl zum Bundespräsidenten bekundete Roman Herzog, er wolle 'Deutschland so repräsentieren in den nächsten fünf Jahren, wie dieses Deutschland wirklich ist: friedliebend, freiheitsliebend, leistungsstark, um Gerechtigkeit zumindest bemüht, zur Solidarität bereit, tolerant und weltoffen und - was für mich das wichtigste erscheint, meine Damen und Herren - unverkrampft.'" (11) Diese Unverkrampftheit, die Herzog in seinen Reden und seinem Umgang mit den Menschen zum Ausdruck brachte, machte ihn zum "Präsident[en] der Erneuerung" (12) und zum schonungslosen Mahner von Reformen. Das war nach Ansicht von Rutz nur möglich, weil Herzog die Geschichte und das, was er verändern wollte, genau kannte. Und noch mehr, er sah in der Geschichte nicht nur das Gewesene, sondern die Herausforderung für morgen: "Geschichtliches Wissen ist stets die Quelle jener Gelassenheit, die die erste Voraussetzung für wirklich rationale politische Analyse und für rationales politisches Handeln ist. [...] Aus der Geschichte lernen zu wollen, bedeutet auch die Entschlossenheit oder zumindest die Bereitschaft, es in Gegenwart und Zukunft besser zu machen." (19)
Daher stellte Rutz als Herausgeber sechzehn Reden aus Herzogs Amtszeit zusammen. Es wird ein Bogen gespannt von der Reichsreform des Reichstages zu Worms 1495 über den Westfälischen Frieden 1648, die Revolution von 1848/49, die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis zum 50-jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland. Auch Visionen wie zum Beispiel die nach den Weltbürgerrechten bzw. der Weltzivilgesellschaft bleiben genauso wenig unberührt, wie die Rolle Deutschlands beschrieben wird. Das Buch ist somit eine Mischung aus einem Quellenband einzelner Reden Herzogs und einem Ausflug in die deutsche Geschichte, um Aktuelles zu verstehen.
Inhaltsübersicht: Kann man aus der Geschichte lernen?; Ursprünge des modernen politischen Denkens; Wegmarken deutscher Geschichte; Wenn die Zeitzeugen sterben: Erinnerungen an den Nationalsozialismus; Erfahrungen aus den Diktaturen des 20. Jahrhunderts; 50 Jahre Bundesrepublik Deutschland: Verantwortung für die Freiheit.
Karsten Rudolf (KRu)
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Rubrizierung: 2.3 | 2.31
Empfohlene Zitierweise: Karsten Rudolf, Rezension zu: Roman Herzog: Die Zukunft der Erinnerung. Stuttgart: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10034-die-zukunft-der-erinnerung_11867, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11867
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