Skip to main content
/ 21.06.2013
Heinz Kramer / Maurus Reinkowski

Die Türkei und Europa. Eine wechselhafte Beziehungsgeschichte

Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2008; 213 S.; kart., 26,- €; ISBN 978-3-17-018474-9
Nicht zuletzt im Zuge der seit Oktober 2005 laufenden Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU entstand ein öffentliches Interesse an der Beziehungsgeschichte der beiden Parteien. Gehört die Türkei überhaupt zu Europa? Diese Streitfrage steht im Kern der öffentlichen Debatten, wird aber von den beiden Autoren explizit als „deutlich uneindeutig“ (7) beantwortet. Stattdessen wird in zwei umfangreichen, aber trotzdem übersichtlichen Blöcken die türkisch-europäische Geschichte dargestellt: Den Ausgangspunkt des ersten Blockes bildet die Betrachtung der islamischen Expansion nach Europa im Mittelalter, worauf eine detaillierte Darstellung des Zeitalters der Osmanen und der Türkenkriege folgt, um schließlich mit der Betrachtung der Türkei im nationalen Zeitalter zu schließen. Der zweite große Block beschäftigt sich mit der Zeit seit Gründung der Republik Türkei bis heute. Dabei wird das Selbstverständnis des Militärs als Hüter der Verfassung und des Fortschritts im Lande historisch hergeleitet. Auch der Kemalismus als Staatsideologie wird ausführlich dargestellt, wobei Kramer anmerkt, dass die kemalistische Revolution vor allem eine Änderung hinsichtlich des institutionell-politischen Überbaus darstellte, jedoch keine breitenwirksamen sozialen Umwälzungsprozesse hin zu den angestrebten westlichen Idealbildern erfolgten. Seit dem Beginn der Beitrittsverhandlungen habe sich vor allem das „exzeptionalistische[…] Nationsverständnis“ und das „homogenisierte[…] Gesellschaftsbild“ (179) als hauptsächliche Hinderungsgründe für eine erfolgreiche Umsetzung der Veränderungsvorhaben herauskristallisiert. Abschließend wird jedoch konstatiert, dass die Geschichte keine unumstößlichen Argumente für oder gegen einen Beitritt liefern kann und die Entscheidung deswegen eine auf Sachlichkeiten beruhende politische Entscheidung sein muss. Eine Zeittafel und eine umfassende kommentierte Bibliografie bieten zusätzlich zum Glossar eine hervorragende Möglichkeit für den geschichtlich und politisch Interessierten, sich einen Einblick in die europäisch-türkische (Politik-)Geschichte zu verschaffen.
Marius Sauter (MDS)
Student, Institut für Politikwissenschaft, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.634.14.224.213.6 Empfohlene Zitierweise: Marius Sauter, Rezension zu: Heinz Kramer / Maurus Reinkowski: Die Türkei und Europa. Stuttgart: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29563-die-tuerkei-und-europa_34999, veröffentlicht am 07.11.2008. Buch-Nr.: 34999 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA