/ 20.06.2013
Carsten Rauch
Die Theorie des Demokratischen Friedens. Grenzen und Perspektiven
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 49); 229 S.; kart., 32,90 €; ISBN 3-593-37877-9Politikwiss. Diplomarbeit Frankfurt a. M.; Gutachter: H. Müller, G. Hellmann. – Über die Beobachtung, dass demokratisch regierte Staaten quasi nie Kriege gegen andere Demokratien führen, wird auch in Deutschland eine intensive Debatte geführt, die wegen ihres methodischen Pluralismus als beispielhaft gilt. Die Arbeit führt klar und differenziert in den Forschungsstand ein. Sie entstand im Zusammenhang mit dem Forschungsprogramm „Antinomien des demokratischen Friedens“ an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Der Autor stellt insbesondere die verschiedenen theoretischen Erklärungsansätze für den Demokratischen Frieden vor. Eine Fallstudie zum amerikanischen Bürgerkrieg, der hier als Krieg zwischen zwei Demokratien und damit als Ausreißerfall eingestuft wird, nimmt der Verfasser zum Anlass für eine Theorieergänzung. Er argumentiert, dass der Konflikt zwischen Nord- und Südstaaten in den USA der 1860er-Jahre eskalierte, weil sich diese gegenseitig als undemokratisch wahrnahmen. Fehlwahrnehmung und die Einbeziehung des Faktors Wahrnehmung/Perzeption überhaupt, sei somit der Schlüssel zur „Versöhnung“ (180) des Theorems des Demokratischen Friedens mit dem Fall dieses Bürgerkrieges. Dieser methodisch sehr reflektierte Versuch einer Theoriefortbildung kann sich auf bereits bestehende Ansätze zu einer wahrnehmungstheoretischen Dimension demokratischen Konfliktverhaltens berufen. Neben der wissenschaftlichen Anschlussfähigkeit der Studie verweist der Autor auch auf deren politische Aktualität: Sie warne vor einer übermäßigen Euphorie über das Friedenspotenzial einer demokratischen Welt. Denn wie im „abschreckende[n] Beispiel“ (202) des amerikanischen Bürgerkriegs können auch Konflikte zwischen Demokratien derart eskalieren, dass sie in bewaffneten Auseinandersetzungen münden.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41 | 5.41 | 2.64 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Carsten Rauch: Die Theorie des Demokratischen Friedens. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24719-die-theorie-des-demokratischen-friedens_28563, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28563
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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