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/ 18.06.2013
Gerhard Paul (Hrsg.)

Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche?

Göttingen: Wallstein Verlag 2002 (Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte 2); 276 S.; brosch., 20,- €; ISBN 3-89244-503-6
Der Massenmord an den europäischen Juden während der NS-Zeit sei von einer hohen Anzahl von Direkttätern verübt worden, jeder von ihnen mit eigenen Motiven ausgestattet, die nicht allein mit der blinden Ausführung von Befehlen oder mit dem Antisemitismus zu erklären seien. Die Täter-Forschung vollziehe mit diesem Erklärungsansatz einen Paradigmenwechsel, den Paul in seinem Beitrag über die Forschungsgeschichte schlüssig analysiert. Die jahrzehntelange "Entpersonalisierung und Abstrahierung des Geschehenen" (20) und die damit - auch unwillkürlich - einhergehende Entschuldung der Täter sei zu Beginn der Neunzigerjahre u. a. von Goldhagen und der "Wehrmachts-Ausstellung" aufgebrochen worden. Mit der "Rückgewinnung der Dimension des Subjekts" (41), indem konkrete Personen als Täter benannt und gezeigt wurden, sei der Täterdiskurs erstmals in die deutsche Gesellschaft hineingetragen worden. Mit der Feststellung der individuellen Entscheidungsmöglichkeiten des einzelnen Täters werde "die Shoah als Prozess und nicht als Exekution einer einmal getroffenen zentralen Vernichtungsentscheidung" (38) gedeutet. Dieser Sammelband fasst wichtige Ergebnisse der neueren Täter-Forschung zusammen. Inhalt: I. Forschungsgeschichte: Gerhard Paul: Von Psychopathen, Technokraten des Terrors und "ganz gewöhnlichen" Deutschen. Die Täter der Shoah im Spiegel der Forschung (13-90). II. Täterstudien: Karin Orth: Experten des Terrors. Die Konzentrationslager-SS und die Shoah (93-108); Klaus-Michael Mallmann: "Mensch, ich feiere heut' den tausendsten Genickschuß". Die Sicherheitspolizei und die Shoah in Westgalizien (109-136); Jürgen Matthäus: An vorderster Front. Voraussetzungen für die Beteiligung der Ordnungspolizei an der Shoah (137-166); Walter Monoschek: "Wo der Partisan ist, ist der Jude, und wo der Jude ist, ist der Partisan". Die Wehrmacht und die Shoah (167-185); Bogdan Musial: Die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Generalgouvernement. Die Zivilverwaltung und die Shoah (187-203); Dieter Pohl: Ukrainische Hilfskräfte beim Mord an den Juden (205-234). III. Kommentare: Harald Welzer: Wer waren die Täter? Anmerkungen zur Täterforschung aus sozialpsychologischer Sicht (237-253); Hanno Loewy: Faustische Täter? Tragische Narrative und Historiographie (255-264).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Gerhard Paul (Hrsg.): Die Täter der Shoah. Göttingen: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17385-die-taeter-der-shoah_20017, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20017 Rezension drucken
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