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/ 22.06.2013
Tobias Fehlbier

Die politische Ökonomie des chinesischen Aufstiegs. Eine Analyse volkswirtschaftlicher Entwicklung und ihrer Folgen für die internationalen Beziehungen am Beispiel der Volksrepublik China

Wien/Berlin: Lit 2010 (Strukturen der Macht 18); XIII, 395 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-643-90035-7
Diss. Münster. – Fördert die wirtschaftliche Entwicklung ein unilaterales oder ein kooperatives Verhalten Chinas in den internationalen Beziehungen? Fehlbier geht dieser Frage auf der Grundlage der Interdependenztheorie nach. Nach einer theoretischen Erörterung etwa der Machtressourcen befasst er sich zunächst mit außenpolitischen Werten, Wahrnehmungen und Verhaltensmustern. In drei Fallstudien, die um Energieversorgung und Ölbezug kreisen, untersucht er dann die Außenwirtschaftspolitik. Grundsätzlich fällt auf, dass er keine originäre Literatur des Landes herangezogen oder dort Interviews geführt hat. Verwendet wurden vor allem deutsche und US-amerikanische Studien, was erkennbar seinen Blickwinkel beeinflusst hat – und nicht thematisiert wird. Für die „Argumentationslogik aus chinesischer Sicht“ (32) werden entsprechend keine Quellen genannt. Der Ton ist immer wieder wertend, ohne dass die Maßstäbe deutlich würden. Fehlbier kritisiert, dass China zum Zwecke des reibungslosen Ölgeschäfts Diktaturen hofiere und damit in der internationalen Politik einen „anachronistischen und argumentativ unhaltbaren Standpunkt“ (245) einnehme, die Rohstoffdiplomatie lasse „offenbar wenig Raum für Moral“ (246) – man hätte gerne erfahren, ob es hier innerchinesische Zwischentöne gibt. Inhaltlich hat die Studie auch sonst wenig Neues zu bieten, das „vorrangige Generalziel“ einer „Rückkehr zu historischer Größe“ (122), verbunden mit wirtschaftlicher Entwicklung und eingebettet in eine friedliche regionale Umgebung, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass China in Nischen wie einigen afrikanischen Ländern Öl einkauft. Bezogen auf die Messkriterien „des internationalen Integrationswillens, des Problemlösungsverhaltens, der Proaktivität, des Lernverhaltens und der Regelkonformität“ (121) bescheinigt Fehlbier dem Land als wichtigste Strategie im Außenverhalten das Mittel „Bestechung und Tausch“ (123). Die „‚eigenen’ moralischen Maßstäbe[.]“ (344) seien zweifelhaft und von Opportunismus geprägt. Die Einbindung in den Welthandel und der Energiebedarf aber entfalteten nun „eine zu Chinas Ungunsten asymmetrische Interdependenzwirkung“, die wirtschaftliche Entwicklung ziehe also „für die außenpolitischen Handlungsspielräume Chinas einschränkende Effekte nach sich“ (371). China befinde sich jedoch im Anfangsstadium eines kooperativen Lernverhaltens, nur sei nicht klar, „ob es sich um echtes Lernen oder vielmehr um adaptives Lernen handelt“ (375). Wenn mit dieser Studie eine Frage hätte beantwortet werden müssen, dann diese.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.684.224.1 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Tobias Fehlbier: Die politische Ökonomie des chinesischen Aufstiegs. Wien/Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32850-die-politische-oekonomie-des-chinesischen-aufstiegs_39239, veröffentlicht am 16.02.2012. Buch-Nr.: 39239 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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