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/ 20.06.2013
Carl Schmitt

Die Militärzeit 1915 bis 1919. Tagebuch Februar bis Dezember 1915. Aufsätze und Materialien. Hrsg. von Ernst Hüsmert und Gerd Giesler

Berlin: Akademie Verlag 2005; X, 587 S.; geb., 49,80 €; ISBN 3-05-004079-3
Die Tagebuchaufzeichnungen reichen von der Einberufung des Rekruten bis zum Wechsel nach Straßburg, wo er sich 1916 habilitieren konnte. Diese intimen Dokumente zeigen erneut die Labilität, in der sich Schmitt befand. Ausdruck seiner Zerrissenheit ist nicht die widersprüchliche Zeichnung seiner Idole (Theodor Däubler) und Förderer (Georg Eisler), sondern auch das wachsende Eingeständnis in das Scheitern seiner Ehe. Dies geht mit dem blinden Streben nach Anerkennung, dem Hass auf alles Bürgerliche, Durchschnittliche und Bürokratische einher, was bereits im ersten Band der Tagebücher zu finden ist. Erneut leidet der ehrgeizige Schmitt an der Mittelmäßigkeit seiner Vorgesetzten, aber auch an Minderwertigkeitskomplexen – es sind sogar suizidale Tendenzen vorhanden. Psychologisch mögen die Verzweiflung und die Unfähigkeit privaten Glücks seine heute berühmten staatstheoretischen Antithesen begründen. Die Tagebuchaufzeichnungen sind einwandfrei ediert und nützen auch Lesern, die nicht viel mit den privaten Lebensumständen anfangen können. Schmitts Beiträge aus der Zeitung „Die Hamburger Woche“ dokumentieren seine Sicht auf den Ersten Weltkrieg. Zudem enthält der Band religions- und staatstheoretische Aufsätze sowie seine Straßburger Probevorlesung von 1916.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Carl Schmitt: Die Militärzeit 1915 bis 1919. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24511-die-militaerzeit-1915-bis-1919_28306, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28306 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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