/ 21.06.2013
Ragna Boden
Die Grenzen der Weltmacht. Sowjetische Indonesienpolitik von Stalin bis Brežnev
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2006 (Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa 72); 444 S.; kart., 68,- €; ISBN 978-3-515-08893-0Geschichtswiss. Diss. Marburg; Gutachter: S. Plaggenborg, E. Conze. – War die Sowjetunion während des Kalten Krieges auf dem besten Weg, ihren Einflussbereich auf die Entwicklungsländer auszudehnen? Eher nein, meint die Autorin. Mit Blick auf Indonesien jedenfalls stellen sich die westlichen Bedrohungsszenarien „im nachhinein als Überschätzung der Ambitionen, planerischen Fähigkeiten und Möglichkeiten der UdSSR heraus“ (360). Boden arbeitet beispielhaft die Besonderheiten der sowjetischen Indonesienpolitik heraus und fragt nach möglichen Rückschlüsse auf die Funktionsweise der sowjetischen Außenpolitik gegenüber den Entwicklungsländern insgesamt. Grundsätzlich sei die sowjetische Außenpolitik auf Europa konzentriert gewesen, schreibt sie. Ein imperialer Weitblick mit globaler Perspektive sei bei Stalin nicht festzustellen und Chruschtschows Politik eher situationsbezogen und nicht unbedingt vorausschauend gewesen. Indonesien sei erst langsam nach 1945 in das sowjetische Blickfeld gerückt, die dortige Kommunistische Partei aber nicht unterstützt worden. Der indonesische Präsident Sukarno habe als bourgeoiser Politiker gegolten, sei aber dennoch mit Geld und Militärhilfe umworben worden – statt politischen Wohlwollens aber habe Chruschtschow damit bei Sukarno, der zudem auch aus dem Westen Hilfen angenommen habe, ein Anspruchsdenken erzeugt. „Ökonomisch war das Engagement der UdSSR ein Fehlschlag“ (361), die meisten Kredite seien verloren gegangen und kein gewinnbringender Handel aufgebaut worden. Auch ein kultureller Einfluss sei kaum erreicht worden. Die Sowjetunion habe zudem über kein Konzept verfügt, wie mit einem erfolglos versuchten „Kauf der Loyalität“ (366), der Etablierung von blockfreien Staaten oder einer kommunistischen Konkurrenz aus China umzugehen sei. „Somit blieb die UdSSR zur hier betrachteten Zeit eine Weltmacht mit beschränkter Reichweite“ (366).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.22 | 2.62 | 2.68 | 4.1 | 4.44
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ragna Boden: Die Grenzen der Weltmacht. Stuttgart: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27263-die-grenzen-der-weltmacht_31886, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 31886
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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