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/ 17.06.2013
Rolf Hosfeld

Die Geister, die er rief. Eine neue Karl-Marx-Biografie

München/Zürich: Piper 2009; 260 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-492-05221-4
Man könnte meinen, nach der lesenswerten Marx-Biografie, die Klaus Körner 2008 veröffentlichte (siehe ZPol-Nr. 34344), besteht kein weiterer Bedarf. Aber Hosfelds Absichten sind andere, wie schon das verunglückte Goethe-Zitat im Titel andeutet – beabsichtigt ist eine Demontage, mit der Leser angesprochen werden sollen, die laut Klappentext Marx nicht lesen wollen. Er sei vom Verlag gebeten worden, „über eine kurze essayistisch gehaltene Ideenbiografie von Marx aus neuer Sicht nachzudenken“ (223), so der Autor in seiner Danksagung. Diese „neue Sicht“ besteht vor allem darin, Marx als „Kind seiner Zeit“ (9) zu porträtieren, was in flotter Schreibe geschieht. Gelobt wird Marx vor allem für seine journalistische Arbeit, ansonsten erscheint er eher als unangenehmer Zeitgenosse, als jemand, „der gern seine Macht über andere ausspielte“ (29). Hosfeld legt Wert darauf, Marx als einen von anderen inspirierten Denker darzustellen. Der „Inhalt seines gesamten Lebenswerkes“ sei „der Nachweis eines notwendigen Zusammenhangs von Krise und Revolution“ (166) gewesen, urteilt Hosfeld schließlich, der zudem Marx sein politisches Handeln geradezu vorwirft: „Wäre Marx tatsächlich, wie Engels in seiner Grabrede auf den 1883 verstorbenen Freund behauptete, derjenige gewesen, der gleich Darwin jenes ‚grundlegende Gesetz’ erkannte, ‚das den Gang der menschlichen Geschichte bestimmt’, hätte er sich mit der Rolle der Eule der Minerva begnügt, die bekanntlich erst in der Dämmerung ihren Flug beginnt“ (183). Marx ist nach Ansicht von Hosfeld also vor allem ein in der aktiven Politik gescheiterter Revolutionär. Abschließend geht er darauf ein, dass „Marx’ politische Wirkung [...] mit einer gewissen Zwangsläufigkeit dem Gesetz unbeabsichtigter Folgen unterliegen [musste]“ (197). Dessen Grundirrtum sei gewesen, in einem historischen Fehlschluss das Proletariat als revolutionäre Klasse gesehen zu haben. Hosfeld weist nicht darauf hin, dass u. a. schon Mao dies erkannte, sondern zitiert aus einer 1997 veröffentlichten Arbeit von Heinrich August Winkler – diese neue „Ideenbiografie“ bietet keine neuen Erkenntnisse.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Rolf Hosfeld: Die Geister, die er rief. München/Zürich: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14835-die-geister-die-er-rief_37400, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37400 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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