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/ 22.06.2013
Detlev Brunner / Mario Niemann (Hrsg.)

Die DDR – eine deutsche Geschichte. Wirkung und Wahrnehmung

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2011; 474 S.; 58,- €; ISBN 978-3-506-77195-7
Ob zwanzig Jahre Wiedervereinigung oder fünfzig Jahre Mauerbau: Entsprechende Jubiläen haben in jüngster Zeit wieder zu einer stärkeren öffentlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik geführt. Eine Auswahl an neuen Forschungsergebnissen zu dieser Problematik ist in diesem Band nachzuvollziehen. Die ausgewählten Texte wurden dabei in drei thematische Kategorien unterteilt. Der Abschnitt „Fundamente“ setzt sich mit den Bedingungen auseinander, die zur Etablierung des Staatsgebildes der DDR beigetragen haben. So beleuchtet Hermann Weber kommunistische Traditionslinien, auf die während der Gründungsphase der DDR zurückgegriffen werden konnte. Sie lassen sich etwa in der Weimarer Republik ausmachen, in welcher die KPD sich aus eigener Überzeugung bereits dem Führungsanspruch der Sowjetunion unterwarf. Dieses erleichterte in der sowjetischen Besatzungszone die Eingliederung der deutschen kommunistischen Akteure in den zu errichtenden Satellitenstaat. Doch die „ständige ideologische Indoktrination“ (53) der Kader war nach Weber auch die Schwäche der DDR‑Führung, da durch diese Starre eine Reaktion auf veränderte gesellschaftliche Strömungen nicht mehr ausreichend möglich war. Im zweiten Themenbereich „Politik und Gesellschaft“ werden sowohl politische Strukturen als auch gesellschaftliche Phänomene, insbesondere der Repression und des Widerstands, analysiert. Unter anderem geht Beatrix Bouvier der Frage nach, ob die DDR in der Ära Honecker als Sozialstaat bezeichnet werden könne. Die Versorgung der Bevölkerung wurde massiv betrieben, um sich damit fehlende Legitimation zu erkaufen. Doch dieses überforderte die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftssystems und verstärkte den Niedergang der DDR. Von einem Sozialstaat zu sprechen, wäre überdies nach Bouvier gefährlich, da hiermit eine Relativierung des Unrechtsstaates der Diktatur betrieben werden könnte. Der dritte Abschnitt „Grenzen und Verflechtungen“ nimmt sowohl das Grenzregime als auch die internationalen Beziehungen in den Blick. Detlev Brunner etwa setzt sich mit den deutsch‑deutschen Spitzentreffen und ihrer unterschiedlichen Rezeption im Laufe der Jahrzehnte auseinander. Dabei lassen sich unter anderem die „gesamtdeutschen Erfahrungen“ (388) der jeweiligen Politiker herausstreichen, die in ihrer Biografie noch ein ungeteiltes Deutschland erlebt hatten, was eine Gemeinsamkeit der Gesprächsgrundlage bilden konnte.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Detlev Brunner / Mario Niemann (Hrsg.): Die DDR – eine deutsche Geschichte. Paderborn u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34181-die-ddr--eine-deutsche-geschichte_40999, veröffentlicht am 20.10.2011. Buch-Nr.: 40999 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA