/ 22.06.2013
Lutz Leisering (Hrsg.)
Die Alten der Welt. Neue Wege der Alterssicherung im globalen Norden und Süden
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2011; 449 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-39410-7Der wachsende Anteil älterer und alter Menschen an der Bevölkerung wird in allen Teilen der Welt zunehmend als Herausforderung wahrgenommen. Während im globalen Norden das Risiko der Altersarmut steigt und die Alten als Problemgruppe wiederentdeckt werden, wächst im globalen Süden langsam das Bewusstsein, dass alte Menschen und ihre Lebensrealitäten in der Vergangenheit von der Forschung und der Politik vernachlässigt wurden. Der Herausgeber und die Autoren fragen, ob es inzwischen Anzeichen für die Entstehung einer globalen Altenfrage im Sinne einer neuen sozialen Frage gibt. Dafür nehmen sie die Alten in Nord und Süd gemeinsam in den Blick. Auf drei bisher getrennten und in jüngster Zeit sich annähernden Feldern könne eine Globalisierung der Altenfrage beobachtet werden: Erstens im System der Vereinten Nationen mit inzwischen zwei Weltaltenplänen, zweitens im Rahmen der Reform der sozialen Sicherung und drittens im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, die inzwischen eine „Sozialpolitisierung“ (16) erfahren habe. In drei thematischen Blöcken erfolgt eine Sondierung von Problemwahrnehmungen, Lösungsansätzen sowie Debatten und Akteuren. Auf der Grundlage differenzierter Datenanalysen wird die soziale Lage von alten Menschen in Deutschland und Europa dargelegt. Weiterhin wird gefragt, ob Reformen neue Ungleichheiten hervorbringen oder ob Alte nur als Problemgruppe oder auch als soziale Akteure wahrgenommen werden. In den Beiträgen über Strategien und Methoden für eine soziale Absicherung wird deutlich, dass das Mehr-Säulen-Konzept der Weltbank sowie die Idee beitragsfreier Renten den Status eines globalen Modells erlangt haben. Leisering ordnet abschließend die Trends und Erkenntnisse aus den Einzelbeiträgen in den breiteren, weltgesellschaftlichen Kontext ein: „Die Entstehung einer globalen Altenfrage fügt sich ein in die allgemeine Entwicklung zu einer Weltgesellschaft.“ (430) Dabei sei es schwierig, so Leisering, die Wirkrichtung zwischen der Globalisierung und der Herausbildung weltgesellschaftlicher Strukturen zu erkennen. Insgesamt zeige die bisherige Diskussion der Altenfrage und die Umsetzung von Maßnahmen, dass es an einer eigenen „Policy Community“ (432) mangele und dass sich daran, dass die Alten in der globalen Politik nur geringe Aufmerksamkeit erfahren, auch in Zukunft vermutlich wenig ändern werde. Leisering wirft abschließend die Frage auf, ob die Konstruktion von Alter und Altersgrenzen überhaupt noch zeitgemäß ist und verweist auf die aus den USA stammende Vision einer altersintegrierten Gesellschaft, die die Kategorie Alter gänzlich auflöst.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.262 | 2.263 | 2.342 | 2.343 | 4.44 | 2.61 | 2.65 | 2.67
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Lutz Leisering (Hrsg.): Die Alten der Welt. Frankfurt a. M./New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34052-die-alten-der-welt_40817, veröffentlicht am 03.05.2012.
Buch-Nr.: 40817
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