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/ 20.06.2013
Bernd M. Scherer / Sven Arnold (Hrsg.)

Die Alte und die Neue Welt. Transatlantische Gespräche

Göttingen: Wallstein Verlag 2008; 205 S.; brosch., 18,- €; ISBN 978-3-8353-0125-2
Der Titel ist eine Reminiszenz an eine Konferenz, mit der 1957 die Kongresshalle in Berlin eingeweiht wurde. Anlässlich des fünfzigsten Geburtstages des heutigen Hauses der Kulturen der Welt fand in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung eine Vortrags- und Diskussionsreihe statt. Scherer weist allerdings gleich daraufhin, dass das Bild von einer Alten und Neuen Welt, wie es z. B. der damalige US-Verteidigungsminister Rumsfeld geopolitisch zu revitalisieren versuchte, ein Anachronismus sei. Dennoch gibt es einiges über das Verhältnis von USA und Europa zu sagen, wobei die Zuschreibungen von alt und neu ins Wanken geraten. So schreibt Jeremy Rifkin, die US-Amerikaner würden Europa als „Museum“ (24) wahrnehmen, mit überbezahlten Arbeitern und einer alternden Bevölkerung. Tatsächlich aber hätten sie verschlafen, dass die EU „das erstaunlichste politische Experiment der Geschichte“ (24) sei. Während die USA in politischer Hinsicht so etwas wie ein Oberkommando hätten, sei mit der EU „das erste netzwerkartige Regierungssystem der Geschichte“ (25) entstanden. Zudem sieht Rifkin Europa an der Schwelle zu einer dritten industriellen Revolution, Grundpfeiler sei die angepeilte Deckung des Energiebedarfs von bis zu 20 Prozent aus erneuerbaren Energien. Auch Dan Diner betont die Unterschiede zwischen den USA als unitarischem Gemeinwesen und dem politisch vielfältigen Europa und sieht ihre Entfremdung voneinander daher strukturell bedingt. Zudem durchziehe es die US-amerikanische Geschichte, Kriege als Wertekriege zu führen. Der europäische Gedanke dagegen sei mit der Idee des Friedens und der europäischen Vielfalt verbunden. In weiteren Beiträgen beschäftigen sich die Autoren mit den unterschiedlichen Auffassungen über die Rolle der Religion, über Rechtsauffassungen und Wertekonflikte sowie mit der globalen sozialen Verantwortung der Wirtschaftsakteure. Schließlich wirft Ian Buruma vor dem Hintergrund christlicher und islamischer Gewalt einen Blick auf den Polytheismus Ostasiens – und kann auch darin keinen Schutz vor messianischer oder utopischer Gewalt finden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.24.214.222.612.642.232.272.35 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bernd M. Scherer / Sven Arnold (Hrsg.): Die Alte und die Neue Welt. Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21871-die-alte-und-die-neue-welt_34354, veröffentlicht am 12.08.2008. Buch-Nr.: 34354 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA