/ 17.06.2013
Jost Dülffer / Gerd Krumeich (Hrsg.)
Der verlorene Frieden. Politik und Kriegskultur nach 1918
Essen: Klartext 2002 (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte - N. F. 15); 344 S.; 34,- €; ISBN 3-89861-075-6Der Sammelband vereinigt ein breites Spektrum von Perspektiven auf die Wirkung des Ersten Weltkrieges, geografisch nicht auf Deutschland begrenzt, und inhaltlich offen für viele Fragestellungen. Die Idee des Bandes geht auf eine Sektion des Historikertages von 1998 zurück; die Herausgeber beabsichtigten, die damals angestellten politik-, mentalitäts-, sozial und historiografischen Überlegungen zu vertiefen und zu erweitern. Das Ergebnis kann in mehrfacher Hinsicht überzeugen: Einerseits relativiert der Blick auf Frankreich, Italien, Großbritannien und Russland die Ereignisse und Entwicklungen in Deutschland selbst. Andererseits zeigen die Autoren, dass sich die Wirkung des Ersten Weltkrieges in der Weimarer Republik wesentlich vielschichtiger und nachhaltiger abbildete, als man bei einer bloßen Betrachtung der politischen Geschichte zu erkennen vermag.
Inhalt: Gerd Krumeich: Einleitung: Die Präsenz des Krieges im Frieden (7-17); Jost Dülffer: Frieden schließen nach einem Weltkrieg? Die mentale Verlängerung der Kriegssituation in den Friedensschluß (19-37); Jean-Jacques Becker: Die Präsenz des Krieges in den zwanziger Jahren in Frankreich (39-50); Matthias Waechter: De Gaulles 30jähriger Krieg. Die Résistance und die Erinnerung an 1918 (51-60); Oliver Janz: Zwischen Trauer und Triumph. Politischer Totenkult in Italien nach dem Ersten Weltkrieg (61-75); Aribert Reimann: „Endless Poetry" - Die Präsenz des „Großen Krieges" in der englischen Gesellschaft (77-90); Dittmar Dahlmann: Krieg, Bürgerkrieg, Gewalt. Die Wahrnehmung des Ersten Weltkrieges und des Bürgerkrieges in der russischen Emigration und in der Sowjetunion in der Zwischenkriegszeit (91-100); Benjamin Ziemann: Die Konstruktion des Kriegsveteranen und die Symbolik seiner Erinnerung 1918-1933 (101-118); Patrick Krassnitzer: Die Geburt des Nationalsozialismus im Schützengraben. Formen der Brutalisierung in den Autobiographien von nationalsozialistischen Frontsoldaten (119-148); Markus Pöhlmann: „Dass sich ein Sargdeckel über mir schlösse." Typen und Funktionen von Weltkriegserinnerungen militärischer Entscheidungsträger (149-170); Bernd-A. Rusinek: Der Kult der Jugend und des Krieges. Militärischer Stil als Phänomen der Jugendkultur in der Weimarer Zeit (171-197); Sabine Kienitz: Beschädigte Helden. Zur Politisierung des kriegsinvaliden Soldatenkörpers in der Weimarer Republik (199-214); Raffael Scheck: Wahrung des Burgfriedens. Die Wirkung des Ersten Weltkrieges auf die bürgerliche Frauenbewegung der Weimarer Republik (215-228); Judith Voelker: „Unerträglich, unerfüllbar und deshalb unannehmbar" - Kollektiver Protest gegen Versailles im Rheinland in den Monaten Mai und Juni 1919 (229-241); Susanne Brandt: Trauer und fortgesetzter Krieg. Totengedenken zwischen Trauer und Kriegsverherrlichung in Düsseldorf nach dem Ersten Weltkrieg (243-260); Heinz Hagenlücke: Wie tot war die Vaterlandspartei 1919 wirklich? (261-271); Karl Holl: Ludwig Quidde und die deutsche Friedensbewegung in der Weimarer Republik (273-285); Annegret Jürgens-Kirchhoff: Kunst gegen den Krieg im Antikriegsjahr 1924 (287-310); Christoph Cornelißen: Die Frontgeneration deutscher Historiker und der Erste Weltkrieg (311-337).
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.311 | 2.61 | 2.312 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Jost Dülffer / Gerd Krumeich (Hrsg.): Der verlorene Frieden. Essen: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16872-der-verlorene-frieden_19383, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19383
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Dr., Historiker.
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