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/ 02.04.2015
Günter Rittmann

Der Umgang mit Komplexität. Soziologische, politische, ökonomische und ingenieurwissenschaftliche Vorgehensweisen in vergleichender systemtheoretischer Analyse

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014; 386 S.; geb., 69,- €; ISBN 978-3-8487-0990-8
Diss. Universität der Bundeswehr München; Begutachtung: U. Weiß, F.‑T. Gottwald. – Die Arbeit ist schon ein gewagtes Unternehmen, das sich in der nun vorliegenden Art vielleicht nur noch jemand zutraut, der nicht in einem dieser eng abgesteckten politikwissenschaftlichen Teilfächer sozialisiert worden ist, die die heutigen Fachbereiche an den Universitäten prägen. Schon wegen seiner eigenen jahrzehntelangen Tätigkeit im ingenieur‑ und organisationswissenschaftlichen Umfeld sowie eines Zweitstudiums im Bereich Politikwissenschaft ist Rittmanns Studie bereits im Wortsinne interdisziplinär angelegt. Den Ausgangspunkt bildet die Frage, „ob trotz aller fachspezifischen Differenzierungen und voneinander isolierten Entwicklungslinien nicht Ähnlichkeiten und Analogien“ (18) im Umgang mit Komplexität existieren. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, die der Autor dabei in die Analyse mit einbezieht, versteht er – im Luhmann‘schen Sinne – als eigene Systeme. Nach einer Darstellung zum Komplexitätsbegriff sowie der grundlegenden Annahmen der Systemtheorie wendet sich Rittmann in Abschnitt vier dann den steuerungstheoretischen Systemtheorien der Politikwissenschaft zu. Auch hier fällt auf – wie schon im Abschnitt zuvor –, dass sich die Darstellung vornehmlich in einer soliden und reproduzierenden Aneinanderreihung der einschlägigen Ansätze und Autoren orientiert. Dies gründet wohl auch darin, dass der Komplexitätsbegriff eingangs nicht hinreichend operationalisiert wurde, sodass die Darstellung passagenweise etwas orientierungslos wirkt. Dennoch sieht Rittmann seine These am Ende bestätigt, wenn er feststellt: „In allen drei untersuchten, sehr unterschiedlichen Disziplinen/Bereichen zeigen sich beim Umgang mit Komplexität nicht nur auf einer sehr abstrakten Metaebene drei gleiche Hauptmerkmale zur Reduzierung von Komplexität“. Vielmehr sei auch „eine Betrachtungsebene tiefer disziplinübergreifend die Existenz von insgesamt zehn Einzelmerkmalen mit ähnlichen Methoden, Verfahren und Zusammenhängen festzustellen“ (366). Zu diesen Merkmalen zählt Rittmann unter anderem die „Bildung von System‑/Umweltgrenzen“, die „Bildung von neuen Systemen durch Anwendung von Differenzierungs‑ bzw. Ausdifferenzierungsmechanismen“, die „Anpassung an Umweltveränderungen“, die „Sicherstellung erforderlicher Koppelungen“ innerhalb und zwischen Systemen, aber auch die „Anwendung von Vertrauen“ (348) und Macht.
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Rubrizierung: 2.215.42 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Günter Rittmann: Der Umgang mit Komplexität. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38242-der-umgang-mit-komplexitaet_46166, veröffentlicht am 02.04.2015. Buch-Nr.: 46166 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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