/ 22.06.2013
Frank Hirschinger
Der Spionage verdächtig. Asylanten und ausländische Studenten in Sachsen-Anhalt 1945-1970
Göttingen: V&R unipress 2009 (Berichte und Studien 57); 170 S.; 27,90 €; ISBN 978-3-89971-750-1Der Internationalismus war eine der ideologischen Grundlagen der DDR. Dies hatte zur Folge, dass „die Interessen der proletarischen Bewegung in einem Lande im Namen der gemeinsamen großen Ziele den Interessen der proletarischen Bewegung im Weltmaßstab untergeordnet werden“ (7), schreibt der Autor. Die DDR gewährte bereits kurz nach der Staatsgründung politisch verfolgten Kommunisten und deren Angehörigen Asyl. Dazu zählten spanische Republikaner, die während des Zweiten Weltkrieges als Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge nach Deutschland gelangt waren und nach Kriegsende im Land blieben. Zudem nahm die DDR Ende der 40er- und in den 50er-Jahren vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflüchtete Griechen und kleine Gruppen von aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der kommunistischen Tudeh-Partei verfolgten Iranern auf. Darüber hinaus wurden aus vietnamesischen Kriegsgefangenenlagern heimkehrende Fremdenlegionäre deutscher Abstammung repatriiert. Zudem kamen aus Ländern, die eine gegen die Westmächte gerichtete Politik betrieben, seit Mitte der 50er-Jahre Studierende in die DDR. Der Autor gibt einen detaillierten Überblick über diese verschiedenen Gruppen und analysiert die vielfältigen Funktionen, die den Asylsuchenden und ausländischen Studierenden in der DDR zugedacht waren. Er vergleicht die offiziellen Darstellungen der SED-Propaganda mit Dokumenten, die die Lebenswirklichkeit dieser Menschen in Sachsen-Anhalt widerspiegeln. Hirschinger schreibt, dass sowohl Asylsuchenden als auch ausländischen Studierenden eine Funktion als Symbol des proletarischen Internationalismus, als Sprachrohr antiwestlicher Propaganda oder als Kaderreserve für eine potenzielle sozialistische Entwicklung in ihren Ländern zugedacht war. So wurde von offizieller Seite darauf geachtet, dass den asiatischen, afrikanischen, arabischen und lateinamerikanischen Studierenden neben dem Fachwissen auch die ideologischen Grundlagen der DDR vermittelt wurden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Frank Hirschinger: Der Spionage verdächtig. Göttingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32114-der-spionage-verdaechtig_38304, veröffentlicht am 20.05.2010.
Buch-Nr.: 38304
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