/ 05.06.2013
Horst Möller (Hrsg.)
Der rote Holocaust und die Deutschen. Die Debatte um das "Schwarzbuch des Kommunismus"
München/Zürich: Piper 1999; 249 S.; kart., 29,80 DM; ISBN 3-492-04119-1Der Titel gibt die Richtung vor: Wenn hier vom "roten Holocaust" gesprochen wird, so ist deutlich, daß gegenüber dem Vergleich der totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts keine so massiven Vorbehalte mehr bestehen wie noch vor Jahren. Tatsächlich hat das "Schwarzbuch des Kommunismus", um dessen publizistischen Widerhall es in diesem Buch geht, das politische Klima nachhaltig verändert. Angesichts der unabweisbaren Fakten sowjetischer, chinesischer, kambodschanischer etc. Vernichtungspolitik fällt es in der Tat schwer, auf Vergleiche zu verzichten, zumal der Klassengenozid sich in der Praxis nicht weniger biologistisch begründete als der Rassengenozid: Das Kulakenkind war per Geburt dem Tod anheimgegeben. Einer Gleichsetzung soll damit jedoch nicht das Wort geredet werden, das betont der Herausgeber nachdrücklich. Vielmehr sollen angemessene Differenzierungen den Vergleich wissenschaftlich fruchtbar machen - so wie die in diesem Buch versammelten Diskussionsbeiträge nicht nur die Unterschiedlichkeit der Debatten in Frankreich, Deutschland und Italien veranschaulichen, sondern darüber hinaus dazu anregen sollen, die Fakten weiter zu erforschen, aber auch die richtigen politischen Konsequenzen aus den Fakten zu ziehen.
Inhalt: I. Ausländische Reaktionen: Philippe Cusin: Das Jahrhundert des Kommunismus in einer Schreckensbilanz (21-25); Die Debatte in le Monde: Ein Buch läßt den Streit über die Verbrechen des Kommunismus wieder aufleben: Patrick Jarreau / Nicolas Weill / Andrej Gratschew / Jean Louis Margolin / Jean-Luc Douin / Ariane Chemin / Roger Martinelli / Stéphane Courtois / Roland Leroy (26-40); Thierry Chervel: Lenins Leichen. Über den neuen französischen Historikerstreit (41-43); François Dufay: Kommunismus. Im Angesicht der Wahrheit (44-48); Jean-François Revel: Kommunismus. 85 Millionen Tote! (49-54); Nicolas Weill: Ein Massengrab, so groß wie die Erde (55-58); Jens Petersen: Die Verwandlung des Gartens in eine Kaserne. Lösungen eines Bannes: Der Begriff des Totalitarismus kehrt in sein Ursprungsland Italien zurück (59-65); Jens Petersen: Abschied von einer Illusion. Das Schwarzbuch des Kommunismus und Italiens Kultur (66-69); Rudolf Walther: Das Schwarzbuch des Kommunismus (70-73); Stefan Karner: Die zum Opfer fielen (74-79); Jutta Scherrer: "Laßt die Toten ihre Toten begraben." Warum Rußland von den sowjetischen Massenverbrechen nichts wissen will (80-85); Waclaw Dlugoborski: Da war noch mehr als die Toten. Auch die Lebenden wollen sich wiederfinden: Das Schwarzbuch des Kommunismus weist aus osteuropäischer Sicht Lücken auf (86-94). II. Die historische Perspektive: Gerd Koenen: Der verstörende Unterschied - Warum Stalinismus und Nazismus doch nicht über einen Kamm zu scheren sind (97-105); Eckhard Jesse: Die einäugigen Vergleicher. Ist der intellektuelle Bann des Kommunismus wirklich gebrochen? (106-110); Focus: Der rote Schrecken. Historikerstreit à la française: Sind die Verbrechen der Kommunisten denen der Nazis vergleichbar? (111-113); Christian Geulen: Von der Unmöglichkeit einer historischen Bilanz. Das vieldiskutierte Schwarzbuch des Kommunismus nun in deutscher Übersetzung (114-117); Albert C. Sellner: Karl Marx, der Visionär und Kulturimperialist. Zum Schwarzbuch des Kommunismus - ein Essay über die Quellen des großen Hasses (118-123); Heinrich Maetzke: Tausend Jahre Glückseligkeit. Oder: Was bedeutet schon eine Generation? Das Schwarzbuch zu den Jahrhundertverbrechen der Kommunisten (124-129); Manfred Hildermeier: Im Reich des Bösen. Das Schwarzbuch des Kommunismus und die Fakten der historischen Forschung (130-136); Manfred Henningsen: Der Holocaust und andere Demozide (137-144); Ulrike Ackermann: Der Terror gehörte schon mit zum Anfang. Nun in deutscher Übersetzung: Das in Frankreich erarbeitete Schwarzbuch des Kommunismus (145-149); Christian Ruf: Wer hört denn noch auf die Signale? In Frankreich löste es Streit aus, nun erscheint das Schwarzbuch des Kommunismus in Deutschland (150-153); Manfred Funke: Das Schwarzbuch des Kommunismus: "Eine Vorstudie zur Topographie des Grauens" (154-156); Alexander Schuller: Mythos Mord. Über den Totalitarismus (157-172). III. Die politische Debatte: Thankmar von Münchhausen: Jospins Stolz auf seine kommunistischen Partner. Die Schwierigkeiten mit dem Erbe von Marx, Lenin und Stalin (175-178); Heinrich August Winkler: Wider die linken Tabus. Der Historikerstreit zum Schwarzbuch des Kommunismus - Rückblick auf ein Jahrhundert des Schreckens (179-182); Tony Judt: Die Schwarzen Bücher der Geschichte. Ein Gespräch mit Christoph Winder (183-187); Christian Semler: Das Elend linker Immunisierungsversuche (188-196); Konrad Löw: Eine Abrechnung mit dem Weltkommunismus. Deutsche Version des Schwarzbuchs des Kommunismus erschienen - erschütternde Anklageschrift (197-201); Joachim Käppner: Ein Blick zurück im Zorn. Eine neue historische Debatte: Warum sich die Verbrechen von Kommunisten und Nationalsozialisten vergleichen, aber nicht gleichsetzen lassen (202-206); Volkhard Knigge: "Die große Vereinfachung macht dumm." Ein Gespräch mit Joachim Käppner (207-210); Richard Herzinger: Angst vor dem letzten Menschen. Bertolt Brecht, Ernst Bloch und die apokalyptische Faszination des Kommunismus (211-217); Ulrike Ackermann: Feindliche Nähe. Deutscher und französischer Historikerstreit (218-226); Joachim Gauck: Das Ritual der Antifaschisten. Erfahrungen im Umgang mit den Gegnern des Schwarzbuchs des Kommunismus (227-231); Stéphane Courtois: Antwort an meine Kritiker. Rede vor der Alfred Herrhausen Gesellschaft für internationalen Dialog (232-246).
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.25 | 2.313 | 2.62 | 2.61 | 5.43
Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Horst Möller (Hrsg.): Der rote Holocaust und die Deutschen. München/Zürich: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8175-der-rote-holocaust-und-die-deutschen_10789, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10789
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Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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