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/ 22.06.2013
Johannes B. Kunz

Der letzte Souverän und das Ende der Freiheit. Internationale Politik und bürgerliche Rechte

Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 2012; 400 S.; 50,- €; ISBN 978-3-03823-716-7
Der Autor versucht sich an einer Verteidigung und Rehabilitierung des Souveränitätsprinzips. Seine These ist, dass allein demokratisch verstandene Souveränität Freiheit und Wohlstand schütze. Kunz ist, nach Stationen in New York, London, Bonn und Westafrika, zurzeit für die Ständige Mission der Schweiz bei den Vereinten Nationen in New York als Diplomat tätig. Obwohl dem Buch die ausdrückliche Warnung mitgegeben ist, dass es sich um keine offizielle Verlautbarung des schweizerischen Außenministeriums handelt, ist die Argumentation deutlich von schweizerischen politischen Erfahrungen geprägt. Die Arbeit ist in einem ersten Teil gewissermaßen historischen Fallbeispielen der Souveränität in Afrika, China und Florenz gewidmet. Ein zweiter Teil dient der begrifflichen Klärung. Hier nimmt der Autor vor allem Bezug auf die Souveränitätstheorie Bertrand de Jouvenels. Eine aus deutscher Sicht nahe liegende Auseinandersetzung mit Carl Schmitt findet nicht statt. So gelangt Kunz zu einem Souveränitätsbegriff, der wenig mit Territorium, Volk und Nation, politischer und militärischer Macht zu tun hat, sondern auf die „Autorität von unabhängigen, aber legitimen Einrichtungen, die dank dem Vertrauen der Menschen Freiheit und Wohlstand erzeugen“ (123) abstellt. Als politischer Nukleus dieses Souveränitätsbegriffes erweist sich praktischerweise das Steuerrecht – als Recht des Souveräns, Steuern zu erheben, und als Recht des Demos, über Höhe und Verwendung der Steuern zu bestimmen. Ein drittes Kapitel handelt von den Gefährdungen des Souveräns durch internationale Organisationen, den „humanitär-interventionistischen Komplex“ (197) und von dem „neumittelalterliche[n] Reich in Europa“ (222), gemeint ist die Europäische Union. Ein letztes Kapitel informiert darüber, wie Souveränität politisch institutionalisiert werden kann. Der zentrale Gliederungspunkt trägt den Titel „Die Optimierung der Souveränität: Das schweizerische System“.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.14.25.412.22.52.61 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Johannes B. Kunz: Der letzte Souverän und das Ende der Freiheit. Zürich: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34883-der-letzte-souveraen-und-das-ende-der-freiheit_41935, veröffentlicht am 19.04.2012. Buch-Nr.: 41935 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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