/ 05.06.2013
Klaus Naumann
Der Krieg als Text. Das Jahr 1945 im kulturellen Gedächtnis der Presse
Hamburg: Hamburger Edition 1998; 353 S.; geb., 48,- DM; ISBN 3-930908-41-7Die in Reemtsmas Hamburger Institut für Sozialforschung entstandene Studie versteht sich als zweierlei: zunächst einmal natürlich als Untersuchung, wie die Printmedien 1995 den Jahrestag des Kriegsendes aufgenommen und verarbeitet haben. Zum anderen aber, "[i]ndem sie die Presse als Gedächtnisort eigener Art betrachtet, richtet sie zugleich den Blick auf die bundesdeutsche Erinnerungskultur" (304). Naumanns Bild ist zwiespältig, einerseits eine Überfülle von Informationen, mit denen sensibel umgegangen wurde, andererseits das schleichende Gefühl, daß es zuviel des Guten gewesen sein könnte. Methodisch hat der Autor 436 Zeitungen ausgewertet, wobei er leider auf Quantifizierungen verzichtet. So bleibt die Materialaufbereitung ein wenig impressionistisch, und der zitaten- und belegüberladene Text verführt auch nicht unbedingt zum Durchlesen. Als Materialsammlung allerdings ist Naumanns Buch zweifellos eine Bereicherung.
Inhalt: 1. Der Pressetext als Gedächtnisort: Der Griff nach der Zeitung. 2. Das Gedenkjahr 1995: Der Bombenkrieg: Deutsche als Opfer - ihrer selbst?; Flucht und Vertreibung: Opfer zweiter Klasse?; Die Befreiung der Lager: ferne Orte, deutsche Daten?; Welche Wehrmacht? - Eine Debatte kündigt sich an; Weiße Fahnen und sinnloser Widerstand - Kriegsende als Heimatgeschichte; Schwierig, peinlich, würdig - Der 8. Mai als Geschichtspolitik. 3. Am Ende des Gedenkjahres: Am Ende des Nachkriegs? - Ergebnisse: 1995 - Schwellenjahr der Erinnerungskultur.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.35 | 2.333 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Klaus Naumann: Der Krieg als Text. Hamburg: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6632-der-krieg-als-text_8957, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8957
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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