/ 19.06.2013
Bernhard Roscher
Der Briand-Kellogg-Pakt von 1928. Der "Verzicht auf den Krieg als Mittel nationaler Politik" im völkerrechtlichen Denken der Zwischenkriegszeit
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2004 (Studien zur Geschichte des Völkerrechts 8); XI, 344 S.; brosch., 69,- €; ISBN 3-8329-0524-3Rechtswiss. Diss.; Gutachter: O. Luchterhand. - Die Hamburger Dissertation ist im Wesentlichen am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt entstanden. Roscher nimmt sich mit dem Briand-Kellogg-Pakt eines Untersuchungsgegenstandes an, der schon zurzeit seiner Vorbereitung und seines Inkrafttretens zu heftigen Diskussionen unter Politikern wie Völkerrechtlern führte. Die in hohem Maße interpretationsoffenen Bestimmungen des Paktes selber zeigen sich dabei eingebettet in einen historischen, politischen und ideengeschichtlichen Kontext: „Daher stehen die völkerrechtlichen Ideen im Mittelpunkt der Arbeit: Aus welchen heraus entstand der Briand-Kellogg-Pakt? Wie wurde er in den ersten Jahren, also zwischen 1928 und dem Zweiten Weltkrieg, in der weltweiten Völkerrechtswissenschaft verstanden? Wie wurde das Verbot des Krieges in ihr Denken integriert und welche Folgen wurden daraus abgeleitet?" (3 f.) Anhand der Rekonstruktion der diplomatischen Verhandlungen, der Analyse einschlägiger Publikationen und der Identifizierung relevanter Autoren zeichnet Roscher die Debatte um den Pakt, seinen Anspruch und seine Realisierungschancen nach. Dazu gehört auch die teils heftig vorgetragene Kritik an dem Dokument, der freilich durchaus unterschiedliche Motivationen zugrunde liegen konnten (u. a. Carl Schmitt und Hans Kelsen). Roscher identifiziert auch die deutlichen Schwächen des Paktes (u. a. die fehlende Einbettung in beziehungsweise Verknüpfung mit dem institutionellen System des Völkerbundes); dennoch würdigt er ihn als authentische Konsequenz aus dem Erleben uneingeschränkter Souveränität, die in die Gräuel des Ersten Weltkrieges geführt hatte.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 4.1
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Bernhard Roscher: Der Briand-Kellogg-Pakt von 1928. Baden-Baden: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21082-der-briand-kellogg-pakt-von-1928_24594, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24594
Rezension drucken
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
CC-BY-NC-SA