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/ 04.06.2013
Gerd R. Ueberschär (Hrsg.)

Der 20. Juli. Das "andere Deutschland" in der Vergangenheitspolitik

Berlin: Elefanten Press 1998; 439 S.; pb., 34,90 DM; ISBN 3-88520-715-X
Für die vorliegende Taschenbuchausgabe wurden die Beiträge des 1994 erschienenen Hardcovers überarbeitet und aktualisiert. Nach wie vor bewegt sich der Sammelband auf einer Ebene der historischen Forschung, die bislang nicht in dieser Form präsentiert worden ist: Auf der einen Seite wird die traditionelle Perspektive des deutschen Widerstands kritisch beleuchtet, die mit dem Schlagwort "20. Juli" zusammengefaßt wird. Auf der anderen Seite stehen die bislang kontrovers diskutierten Aspekte des Widerstandes, die aufgrund politischer Überzeugungen weitgehend tabuisiert oder auch mißbraucht wurden, wie etwa der kommunistische Widerstand oder die nach wie vor umstrittene Rolle der Deserteure im Rahmen des individuellen Widerstandes gegen das Dritte Reich. Betrachtungen über die Widerstandsperzeption bei den Kriegsalliierten runden die Beiträge ab. Inhalt: I. Einstellung und Haltung der Siegermächte zum deutschen Widerstand nach 1944: Lothar Kettenacker: Die Haltung der Westalliierten gegenüber Hitlerattentat und Widerstand nach dem 20. Juli 1944 (22-46); Kurt Finker: Die Stellung der Sowjetunion und der sowjetischen Geschichtsschreibung zum 20. Juli 1944 (47-67); Edgar Wolfram: Frankreich und der deutsche Widerstand gegen Hitler 1944-1964. Von der Aberkennung zur Anerkennung (68-81); Krysztof Ruchniewicz: Die Haltung Polens zum deutschen Widerstand nach 1945 - insbesondere zum Kreisauer Kreis (82-95). II. Rezeption und Bild des Widerstandes in der Historiographie und politischen Bildungsarbeit in Deutschland nach 1945: Peter Steinbach: Widerstand im Dritten Reich - die Keimzelle der Nachkriegsdemokratie? Die Auseinandersetzung mit dem Widerstand in der historischen Bildungsarbeit, in den Medien und in der öffentlichen Meinung nach 1945 (98-124); Gerd R. Ueberschär: Von der Einzeltat des 20. Juli 1944 zur "Volksopposition"? Stationen und Wege der westdeutschen Historiographie nach 1945 (125-157); Ines Reich / Kurt Finker: Reaktionäre oder Patrioten? Zur Historiographie und Widerstandsforschung in der DDR bis 1990 (158-178); Hans-Jochen Markmann: Der 20. Juli 1944 und der deutsche Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den Schulbüchern beider deutscher Staaten (179-195); Christiane Toyka-Seid: Gralshüter, Notgemeinschaft oder gesellschaftliche "Pressure-Group"? Die Stiftung "Hilfswerk 20. Juli 1944" im ersten Nachkriegsjahrzehnt (196-211); Peter Steinbach: Vermächtnis oder Verfälschung? Erfahrungen mit Ausstellungen zum deutschen Widerstand (212-234). III. Der Widerstand als "Bewältigungsproblem" besonderer Berufsgruppen und Gesellschaftsbereiche nach 1945: Gerhard Ringshausen: Der 20. Juli 1944 als Problem des Widerstandes gegen die Obrigkeit. Die Diskussion in der evangelischen und katholischen Kirche nach 1945 (238-253); Rudolf Wassermann: Widerstand als Rechtsproblem. Zur rechtlichen Rezeption des Widerstandes gegen das NS-Regime (254-267); Robert Buck: Die Rezeption des 20. Juli 1944 in der Bundeswehr. Anmerkungen zu deren Traditionsverständnis (268-293); Susanne Miller: Widerstand und Exil. Bedeutung und Stellung des Arbeiterwiderstandes nach 1945 (294-312); Wilhelm Ernst Winterhager: Enttäuschte Hoffnungen: Zum Anteil der Überlebenden des 20. Juli 1944 am politischen Neuaufbau in Westdeutschland nach 1945 (313-329). IV. Neue Forschungsansätze und Diskussionen über den Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime im Grenzbereich: Peter Steinbach: "Widerstand hinter Stacheldraht"? Zur Diskussion über das Nationalkomitee Freies Deutschland als Widerstandsorganisation seit 1943 (332-346); Johannes Tuchel: Das Ende der Legenden. Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus (347-365); Bernd-A. Rusinek: Jugendwiderstand und Kriminalität. Zur neueren Bewertung der "Edelweißpiraten" als Widerstandsgruppe (366-387); Manfred Messerschmidt: Zur neueren Diskussion um Opposition und Verweigerung von Soldaten. Deserteure, Zersetzer und Verweigerer (388-424).
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.3132.3122.35 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Der 20. Juli. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5395-der-20-juli_7068, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 7068 Rezension drucken
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