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/ 18.06.2013
Volker Koop

Der 17. Juni 1953. Legende und Wirklichkeit

Berlin: Siedler Verlag 2003; 428 S.; Ln., 24,90 €; ISBN 3-88680-748-7
"Die Leidensfähigkeit der Bevölkerung Ost-Berlins und der DDR war am Ende." (15) Nach Ansicht des Historikers und Journalisten Koop war der Volksaufstand, der heute unter dem Datum des 17. Juni 1953 zusammengefasst wird, ein zwangsläufiges Ereignis. Die DDR sei vom Tag ihrer Gründung an nicht alleine lebensfähig gewesen. Mit den Normerhöhungen, den Preisanhebungen und dem Entzug von Lebensmittelkarten für einen großen Teil der Bevölkerung im Juni 1953 habe sich die SED-Führung um den Rest ihrer Akzeptanz in der breiten Bevölkerung gebracht. Koop zeigt, differenziert nach den einzelnen Bezirken, den Verlauf des Aufstandes und seine sehr schnelle Politisierung. Die Verschärfung der Arbeitsanforderungen war demnach höchstens Auslöser, aber nicht Ursache für den vielschichtigen Widerstand und die zahlreichen Proteste, an denen sich mehrere tausend Demonstranten beteiligten. So war es schon Anfang Juni in mehreren Städten zu Streiks gekommen, in Ost-Berlin bereits am 20. Mai 1953. Trotz dieser Vorzeichen habe die Volkspolizei am 16. Juni, als sich die Situation zuspitzte, hilflos reagiert. Die SED-Spitzenfunktionäre erwogen sogar, sich nach Moskau zu retten. Stattdessen aber wurde die Parteiführung ins sowjetische Hauptquartier befohlen, "wo sie de facto unter Quarantäne stand" (112). Die eigentliche Reaktion auf den Aufstand erfolgte durch die Besatzungsmacht - sie löste die Demonstrationen in Ost-Berlin mit Panzern auf. Der Volksaufstand hatte für die Menschen in der DDR "in nahezu allen Lebensbereichen weitreichende Konsequenzen" (291), die Koop allerdings nicht weiter ausführt. Da er sich auf den Aufstand konzentriert, bleiben die folgenden politischen Kursänderungen der SED und die wirtschaftliche Unterstützung, die die Sowjetunion der DDR zwecks deren innenpolitischer Stabilisierung gewährte, unerwähnt. Dies gilt auch für das Einlenken der SED auf einige der Forderungen hinsichtlich der Arbeitsnormen und der Versorgung. Weitere Konsequenzen, auf die der Autor zu Recht verweist, waren der Ausbau der Staatssicherheit und die Militarisierung der Gesellschaft.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Volker Koop: Der 17. Juni 1953. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18800-der-17-juni-1953_21812, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21812 Rezension drucken
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