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/ 22.06.2013
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.)

Demokratie im globalen Wandel. Eine Welt im demokratischen Aufbruch? Friedensbericht 2010. Ergebnisse der State-of-Peace-Konferenz 2010. Projektleitung: Ronald H. Tuschl

Berlin: Lit 2010 (Dialog: Beiträge zur Friedensforschung 59); 227 S.; 9,80 €; ISBN 978-3-643-50252-0
Der Konferenzband ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten werden verschiedene demokratierelevante Ereignisse des Jahres 2009 aufgegriffen. Neben der nuklearen Abrüstungspolitik der USA unter Präsident Obama werden Demokratiebewegungen, die in Südasien und im Kaukasus erkennbar wurden, analysiert. Werner Ruf nimmt diese Entwicklungen zum Anlass, grundsätzlich nach dem tieferen Sinn des Demokratie-Exports zu fragen. Es reiche nicht aus, schreibt er, Demokratie auf die Abhaltung von Wahlen zu reduzieren. Unter den Bedingungen ausländischen Diktats gerieten sie zur Farce – und, werden wie Ruf in seiner kritischen Bilanz zentraler Konflikte im mittleren Osten aufzeigt, „in ihrer grotesken Lächerlichkeit vom Westen selbst desavouiert, wenn sich Letzterer in Afghanistan selbst an der Wahlfälschung beteiligt […], wenn – umgekehrt – in Palästina wirklich freie und saubere Wahlen ignoriert werden, nur weil den international Herrschenden das Ergebnis nicht passt“ (49). Letztlich, so Ruf, gehe es dem Westen und insbesondere den USA um die Durchsetzung geostrategischer Interessen. Den Ausgangspunkt der Beiträge im zweiten Teil bilden die verschiedenen friedens- und sicherheitsrelevanten Jubiläen des Jahres 2009 (20 Jahre Fall der Mauer, 60 Jahre NATO, 65 Jahre UNO). Mit den Vorstellungen über Sicherheit und den strategischen Konzepten von NATO, EU, KSZE/OSZE während des Ost-West-Konflikts und im gegenwärtigen Prozess globaler Vernetzung setzt sich Michael Berndt auseinander. Seit dem Ende der Blockkonfrontation habe sich der Sicherheitsbegriff gewandelt und Entwicklungen wie Klimawandel, Migration oder Finanzkrisen werden als sicherheitsrelevante Bedrohungen aufgefasst – die, so sei es im euro-atlantischem Raum „im Sprechakt festgelegt“ (175), als von außen kommend interpretiert werden. Dieses Verständnis gehe an den Ursachen und damit an ursachenorientierten Problemlösungen vorbei. Vor allem aber sieht Berndt in diesem Konsens reichlich Zündstoff, denn er stelle den euro-atlantischen Raum gegen den „‚Rest’ der Welt, der als Bedrohung identifiziert wird“ (178).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.24.222.642.682.632.224.34.15.414.412.25 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.): Demokratie im globalen Wandel. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33434-demokratie-im-globalen-wandel_40008, veröffentlicht am 06.04.2011. Buch-Nr.: 40008 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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