/ 21.06.2013
Marten Breuer / Norman Weiß (Hrsg.)
Das Vertragswerk von Locarno und seine Bedeutung für die internationale Gemeinschaft nach 80 Jahren. Ergebnisse eines interdisziplinären Rundtischgesprächs
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2007 (Studien zum Öffentlichen Recht, Völker- und Europarecht 13); 175 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-631-56461-5Der Band ist aus einer Konferenz im Jahr 2005 in Potsdam hervorgegangen. Die Autoren, Historiker, Rechts- und Politikwissenschaftler, verfolgen im Rückblick auf das Vertragswerk von Locarno einen interdisziplinären Ansatz. Dabei nehmen sie die historischen Betrachtungen zum Anlass, ausführlich über das Völkerrecht sowie die Ausgestaltung internationaler Sicherheit und Ordnungssysteme nachzudenken. Mit dem Vertragswerk war seinerzeit die Integration des Deutschen Reichs in die Friedensordnung der Zwischenkriegszeit versucht worden. Und hat sich das Völkerrecht in den vergangenen 80 Jahren auch weiterentwickelt, lassen sich nach wie vor von diesem Ausgangspunkt aus aktuelle Fragen aufwerfen. Das Problem präventiver Militärschläge zur Selbstverteidigung ist bereits damals diskutiert worden und auch heute noch von Belang. Als Vorläufer der Vereinten Nationen setzte der Völkerbund ähnliche Mittel ein: Frieden durch Recht, Frieden durch internationale Organisation und Frieden durch ein kollektives Sicherheitssystem. Es wird zudem darauf verwiesen, dass die Friedens- und Völkerrechtsordnung damals wie heute der Weiterentwicklung bedarf. Im Kontext des Kosovokriegs 1999 oder des Kriegs gegen den Irak 2003 hätten sich an der Frage der fehlenden Autorisation durch den Sicherheitsrat unterschiedliche Politikkonzeptionen enthüllt, schreibt Sabine Jaberg. Die Vorstellung einer Weltinnenpolitik stünde jener einer imperialen oder hegemonialen Strategie eines militärisch überlegenen Akteurs gegenüber. Vor diesem Hintergrund diskutieren Jaberg und Jan Irlenkäuser die Frage, inwieweit regimetheoretische Ansätze nutzbar seien, um kollektive Sicherheitssysteme zu beschreiben.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 2.311
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Marten Breuer / Norman Weiß (Hrsg.): Das Vertragswerk von Locarno und seine Bedeutung für die internationale Gemeinschaft nach 80 Jahren. Frankfurt a. M. u. a.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29060-das-vertragswerk-von-locarno-und-seine-bedeutung-fuer-die-internationale-gemeinschaft-nach-80-jahren_34318, veröffentlicht am 19.06.2008.
Buch-Nr.: 34318
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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