/ 21.06.2013
Alex Demirović / Christina Kaindl / Alfred Krovoza (Hrsg.)
Das Subjekt – zwischen Krise und Emanzipation. Hrsg. im Auftrag der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung in Zusammenarbeit mit der Loccumer Initiative
Münster: Westfälisches Dampfboot 2010 (Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung); 176 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-771-3Für die Vertreter der sogenannten Frankfurter Schule – also Adorno, Horkheimer, Marcuse – galt es als Desiderat einer noch auszuarbeitenden Gesellschaftstheorie, ökonomiekritische und subjekttheoretische Überlegungen zusammenzuführen. Dieses theoriegeschichtlich an Marx und Freud ansetzende Forschungsinteresse scheint längst abgerissen. Kritische Auseinandersetzungen mit aktuellen Formen von Vergesellschaftungen erfolgen heute gleichsam im Bann einer umfassenden, neoliberal strukturierten Ökonomisierung des Sozialen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen deshalb die Regulationsmechanismen einer sich global durchsetzenden Marktlogik einschließlich der korrespondierenden Rhetoriken von Flexibilität, Autonomie und Selbstverantwortung – weniger aber deren Auswirkungen auf gegenwärtige Formen von Subjektivität. Eine Ausnahme bildet die Studie des französischen Soziologen Alain Ehrenberg („Das erschöpfte Selbst“, 2004), der die erkennbare Zunahme von Depressionen auf die den Postfordismus kennzeichnende ideologische Transformation zurückführt, derzufolge heute eine Konkurrenz der Individuen an die Stelle von Klassenkonflikten getreten sei. Vor diesem Hintergrund diskutieren die Autoren in zeitdiagnostischer Absicht Phänomene einer Krise der Subjektivität, die nicht allein, aber doch wesentlich von den zwischen Fremd- und Selbstbestimmung changierenden Appellen zur Ausbildung eines unternehmerischen Selbst ausgelöst werden. In den Beiträgen werden darüber hinaus konzeptionell und begrifflich unterschiedliche Analyseansätze berücksichtigt – dazu gehören Psychoanalyse, Kritische Psychologie, Körperforschung und Gouvernementalitätsstudien. Der Band beruht auf einer 2007 gemeinsam von der „Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung“ und der „Loccumer Initiative“ in Berlin durchgeführten Tagung.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Alex Demirović / Christina Kaindl / Alfred Krovoza (Hrsg.): Das Subjekt – zwischen Krise und Emanzipation. Münster: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31777-das-subjekt--zwischen-krise-und-emanzipation_37876, veröffentlicht am 13.10.2010.
Buch-Nr.: 37876
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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