/ 20.06.2013
Ludgera Vogt
Das Kapital der Bürger. Theorie und Praxis zivilgesellschaftlicher Engagements
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005; 298 S.; kart., 29,90 €; ISBN 3-593-37883-3Habilitationsschrift Dortmund; Gutachter: R. Hitzler. – Zivilgesellschaft basiert auf dem freiwilligen Engagement der Bürger. Wodurch sind sie motiviert? Was erwarten sie sich davon? Vogt versucht mittels einer kritischen Diskussion verschiedener Theorieansätze und einer empirischen Fallstudie zu einer deutschen Bürgerstiftung zu zeigen, wie zivilgesellschaftliches Engagement tatsächlich entsteht. Sie thematisiert neuere Theoriestränge wie Republikanismus, Liberalismus, Kommunitarismus und die Zivilgesellschaft bei Habermas sowie Kapitaltheorien und den soziologischen Utilitarismus (Bourdieu, Coleman, Esser, Putnam). Außerdem werden die historischen und ideengeschichtlichen Wurzeln zivilgesellschaftlicher Ansätze beleuchtet. Vorangestellt findet sich ein Abschnitt über den „Kontext des Engagements: Umbrüche in der Gegenwartsgesellschaft“, wobei Modernisierungs- und Individualisierungsprozesse sowie Veränderungen in den Bereichen Wohlfahrtstaat und „Dritter Sektor“ beleuchtet werden. Auf den instruktiven und umfassenden Theorieteil, in dem jüngere und laut Vogt durchaus wegweisende Kapitaltheorien mit weniger nutzenbezogenen Ansätzen kontrastiert werden, folgt die Untersuchung einer neu gegründeten Bürgerstiftung in der Gemeinde Kohlen am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. Die Autorin findet ihre Grundannahmen zum Teil bestätigt: „Wo Akteure aus tradierten Norm- und Verpflichtungszusammenhängen freigesetzt werden, ist es plausibel, dass sie den Nutzen als Kriterium ihres Handelns stärker gewichten“ (14). Trotzdem behalten auch ältere republikanische Theorien ihrer Meinung nach zumindest teilweise ihre Gültigkeit. Insofern „erscheint es plausibel anzunehmen, dass Bürgergesellschaft vor allem da floriert, wo Gemeinsinn und Eigennutz, Verpflichtung und Verführung wirksam sind“ (16). Dieses ausgewogene Ergebnis wird argumentativ überzeugend untermauert. Insofern bildet die Studie einen theoretisch und empirisch gesättigten Beleg für die Notwendigkeit der Zusammenfügung eindimensionaler Ansätze.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 2.35 | 2.331 | 5.3 | 5.42 | 5.43 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Ludgera Vogt: Das Kapital der Bürger. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24927-das-kapital-der-buerger_28818, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28818
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
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