/ 18.06.2013
Paul Cobben
Das Gesetz der multikulturellen Gesellschaft. Eine Aktualisierung von Hegels "Grundlinien der Philosophie des Rechts"
Würzburg: Königshausen & Neumann 2002; 255 S.; brosch., 19,50 €; ISBN 3-8260-2293-9Der Verfasser geht bei seiner Neuinterpretation der hegelschen Rechtsphilosophie davon aus, dass die Bürger in Hegels Rechtsstaat zu einem Dialog mit anderen Kulturen eigentlich nicht imstande seien, weil die in den Grundlinien entwickelten Institutionen an die europäische Geschichte gebunden seien. Zudem seien die Bürger auch nicht in der Lage, den bestimmten kulturell bedingten Inhalt der Institutionen des Rechtsstaates zu erkennen. Das aber sei überhaupt erst die Voraussetzung dafür, eine multikulturelle Gesellschaft denken zu können. Die Entwicklung dieses Gedankens zeichnet Cobben in 6 Kapiteln nach, die sich der Bestimmung des Menschen als gesetzgebendem Wesen, Hegels Durchdenkung des aristotelischen Menschenbildes, der Vernunft als dem Versuch, das aristotelische Menschenbild inhaltlich zu bestimmen sowie der Familie, der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staat widmen. Dabei soll die in der Rechtsphilosophie angelegte Kluft zwischen Bürger und Philosoph überwunden und damit gleichzeitig der Monokulturalität der Garaus gemacht werden. Dies wiederum ermögliche die philosophische Einsicht in den Staat als Einheit von Menschenrechten und Demokratie, in der eine kontingente Vielheit von Kulturen vereinigt sei. Cobben reiht sich mit seiner Schrift in den derzeitigen Trend einer Wiederentdeckung Hegels ein. So interessant seine Argumente und die zugrunde liegende Idee aber auch sein mögen, so leiden sie doch unter einer ärgerlichen Anhäufung orthografischer und grammatikalischer Fehler sowie einem bunten Strauß an Stilblüten, die sich durch das ganze Buch hindurchziehen. Zudem ist die Literaturgrundlage dieses Buches recht dürftig - ein Großteil der Hegelforschung der 80er- und 90er-Jahre wurde souverän ignoriert. So erstaunt es, um nur ein Beispiel zu nennen, dass der Verfasser die just für sein Thema grundlegenden Arbeiten von Charles Taylor einfach nicht zur Kenntnis nimmt. Leider vermittelt das Buch auf diese Weise einen recht "halbgaren" Eindruck, der vielleicht durch ein sorgfältiges Lektorat und eine Überarbeitung hätte vermieden werden können.
Roland Lhotta (RL)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 5.33 | 5.31
Empfohlene Zitierweise: Roland Lhotta, Rezension zu: Paul Cobben: Das Gesetz der multikulturellen Gesellschaft. Würzburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17378-das-gesetz-der-multikulturellen-gesellschaft_20009, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20009
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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