/ 05.06.2013
Werner Becker
Briefe an Carl Schmitt. Hrsg. und mit Anmerkungen versehen von Piet Tommissen
Berlin: Duncker & Humblot 1998; 121 S.; 48,- DM; ISBN 3-428-09200-7Tommissen hat in diesem Band Briefe zusammengestellt und mit ausführlichen Fußnoten zu Personen und Geschehnissen versehen, die der Leipziger Studentenpfarrer Becker zwischen 1923 und 1978 an Schmitt geschrieben hat. Die Briefe sind für den Leser von doppeltem Interesse: Einmal spiegeln sie über einen Zeitraum von 55 Jahren die (vom Autor allerdings meist in Nebensätzen abgehandelten) zeitgeschichtlichen Ereignisse wie die Besetzung des Rheinlandes, die nationalsozialistische Machtergreifung und die Teilung der beiden deutschen Staaten wider, sodann reflektieren sie - ohne allerdings neue wissenschaftliche Einsichten zu eröffnen - Schmitts Gedanken zu Hobbes, seinen "Begriff des Politischen" und dem II. Vatikanischen Konzil aus der zumeist kritischen Perspektive des Verfassers. Sie zeichnen damit ein Bild des Adressaten, das - und hier liegt der Erkenntnisgewinn der Briefe - durch persönliche Bemerkungen über Carl Schmitt als Hochschullehrer und Privatmann Farbe bekommt. Unter allen Briefen ragt der achte vom 15. Dezember 1933 (54 ff.) heraus, in dem Becker nicht nur Leo Strauss' berühmte Kritik am "Begriff des Politischen" rekapituliert, sondern auch Schmitts mit der Schrift "Staat, Bewegung, Volk" (1933) vollzogene Hinwendung zum Nationalsozialismus vermerkt und gegen dessen antisemitische Äußerungen, zur zeitweiligen Verstimmung Schmitts, Einspruch einlegt.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Werner Becker: Briefe an Carl Schmitt. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7306-briefe-an-carl-schmitt_9737, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 9737
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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